Englische Strickanleitungen endlich verstehen. Das ist das Versprechen des Buches „Do you speak knitting?“ von Stephanie van der Linden, erschienen im TOPP Verlag. Der Titel hat mich wirklich neugierig gemacht und ich hatte das Privileg, vom Verlag ein Rezensionsexemplar zu bekommen. Nach ein paar Versandverzögerungen und meinem Urlaub bin ich aber jetzt endlich dazu gekommen, für euch meine (subjektive, nicht beeinflusste) Rezension zu schreiben.
Buch-Steckbrief: Auf einen Blick
Titel: Do you speak knitting? Englische Strick-Anleitungen endlich verstehen
Autorin: Stephanie van der Linden
Verlag: TOPP (frechverlag)
Preis: 18,99 € [D] / 19,60 € [A]
Umfang: 160 Seiten, Softcover
ISBN: 978-3-7358-7129-9
Zielgruppe: Alle, die sich an internationale Anleitungen (z. B. von Ravelry) wagen wollen, aber an den englischen Fachbegriffen scheitern.
Das Besondere: Es ist kein reines Wörterbuch, sondern erklärt die Logik hinter den Begriffen und liefert Technik-Erklärungen mit Foto-Tutorials direkt mit.
Lost in Translation?
Ich liebe stricken. Schon als Teenager habe ich meine Lehrer in der Schule in den Wahnsinn getrieben, weil ich im Unterricht gestrickt habe. Mir hilft es aber dabei, mich zu konzentrieren. Dass es auch tolle englische Strickanleitungen gibt, wusste ich damals nicht – das Internet (also das www) gab es da nämlich noch nicht.
2012 habe ich „dank“ einer Brustkrebserkrankung das Stricken für mich wiederentdeckt und durch das Surfen im Internet bin ich dabei auf faszinierende englische Strickanleitungen gestoßen. Filigrane Lace-Tücher (also Spitzenstrickerei), top-down Pullover und Brioche. Brioche??? Ich dachte bis dahin, das sei ein leckeres Gebäck aus Frankreich und nun finde ich da tolle Patentmuster… Und Anleitungen für Socken!!! Nicht nur schlicht, wie ich es von meiner Oma gelernt habe, sondern mit Muster. Die Anleitungen waren für mich – obwohl ich im Grunde fließend Englisch spreche – erst einmal verwirrend und die Abkürzungen unverständlich. Aber die Modelle waren einfach so schön und intelligent aufgebaut. Es hat einige Zeit gebraucht, bis ich herausgefunden hatte, was z.B. kbl oder ssk bedeutet. Und genau da setzt dieses Buch an.


Worum geht’s hier eigentlich?
„Do you speak knitting?“ ist kein klassisches Buch mit Strickanleitungen. Du wirst darin kein fertiges Projekt zum Nacharbeiten finden. Auch ist es nicht nur eine Liste mit Übersetzungen. Stattdessen ist es ein echter Übersetzungs- und Versteh-Helfer. Geschrieben hat es Stephanie van der Linden, die in der Strick-Szene für absolute Präzision und technische Perfektion bekannt ist. Sie hat unter anderem das „Standardwerk Stricken“ geschrieben, das ich auch habe und grandios finde. Man merkt sofort, dass hier eine Expertin mit Herz und Verstand am Werk war.
Erster Eindruck: Buch aufschlagen, Hirn entspannen?
Das Erste, was auffällt: Das Buch ist wunderbar übersichtlich. Es wirkt nicht wie ein trockenes Lexikon, sondern eher wie ein moderner Guide. Das Layout ist klar, die Tabellen gut lesbar, die Fotos sind hochwertig (alles ist super erkennbar) und die Erklärungen fühlen sich beim ersten Durchblättern direkt „machbar“ an. Es ist handlich genug, um direkt im Strickkorb zu liegen oder unterwegs dabei zu sein, ohne den ganzen Platz für die Wolle zu rauben. Die 160 Seiten sind wirklich gehaltvoll gefüllt.
Aufbau & Inhalt: Wie ist das Buch gedacht?
Das Buch führt dich Schritt für Schritt durch die Logik englischer Muster. Es geht nicht nur darum, dass „k“ für „knit“ (rechts stricken) steht. Stephanie erklärt auch:
- Wie ist der grundsätzliche Aufbau eines Strickmusters.
- Die berüchtigten Abkürzungen mit Übersetzung und vor allem auch mit nachvollziehbaren Erklärungen.
- Informationen zu Garn und Nadelstärken. Ja, auch da gibt es internationale Unterschiede…
- Es gibt sogar Foto-Tutorials für bestimmte Techniken. Dadurch kann man wirklich gut verstehen, wie etwas gemacht wird und es aussehen soll.
- Als Bonus gibt es am Ende noch eine Übersicht der englischen Häkelbegriffe (Abkürzungen) – falls man auch mal eine schöne englische Häkelanleitung nacharbeiten will.
Mein persönlicher Praxistest
Für meine „toe-up“-Socken, die ich gerne stricke, nutze ich am Anfang den „Magic Cast-On“. Auch dieser ist in dem Buch prima erklärt und bebildert. Ich kann also den Ausdruck aus dem Internet, der schon ziemlich unansehnlich geworden ist, guten Gewissens wegwerfen.

Für wen ist dieses Buch Gold wert?
Ich würde sagen, das Buch ist perfekt für dich, wenn du:
- Schon sicher rechte und linke Maschen stricken kannst.
- Dich endlich an englischsprachige Anleitungen (z.B. von Ravelry) wagen willst.
- Genug davon hast, bei jeder Abkürzung das Internet zu durchforsten.
Aber auch versierte Stricker/innen werden in dem Buch einiges entdecken. Ich halte mich für einigermaßen versiert – auch im Englischen – und möchte das Buch nicht mehr missen!!!
Für absolute Strick-Neulinge ist es weniger gedacht – man sollte die Grundlagen des Strickens schon beherrschen. Für Strick-Neulinge empfehle ich erst mal das Grundlagenwerk der Autorin.
Was mir besonders gefallen hat
Der Aufbau vom Buch ist klasse. Es ist fachlich fundiert, aber nie belehrend. Man merkt absolut, dass Stephanie van der Linden weiß, wo wir Stricker/innen meistens stolpern. Auch die kleinen Tipps zu den Unterschieden zwischen britischem und amerikanischem Englisch sind hilfreich. Schön finde ich, dass es nicht nur ein reines Textbuch ist, sondern auch Fotos enthält – zum Beispiel im Abschnitt zu den verkürzten Reihen. Durch die guten Fotos sieht man die Unterschiede je nach Technik super gut. Es ist deutlich mehr als ein reines Nachschlagewerk.
Gibt es auch Grenzen?
Klar, das Buch ersetzt nicht das Tun. Du musst dich trotzdem trauen, die erste Masche aus einer englischen Anleitung anzuschlagen. Es nimmt dir nicht das Stricken ab, aber es nimmt dir die Angst vor der Sprache. Es ist ein Werkzeug, kein Zauberstab.
Fazit: Würde ich es empfehlen?
Definitiv ja. Es ist eine Investition in deine Unabhängigkeit als Stricker/in. Du musst nicht dauernd online gehen um zu recherchieren oder mit Ausdrucken hantieren. Wenn ich es in einem Satz zusammenfassen müsste: Dieses Buch ist der Reisepass für deine Strick-Reise in der internationalen Community.
Transparenz
Transparenz: Dieses Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon aber wie immer unbeeinflusst.
Wie sieht es bei dir aus? Strickst du schon nach englischen Anleitungen oder hast du noch Respekt davor? Schreib es mir gerne in die Kommentare!
