Babysaum nähen – ganz einfach ohne Spezialfuß

Hand hält einen feinen, gemusterten Stoff mit sauberem Babysaum, Textoverlay: „Babysaum nähen – ganz einfach ohne Spezialzubehör

Meine Oma hat wunderschöne Sachen genäht. Blusen aus zarten Stoffen, Sommerkleider mit perfekt abgenähten Säumen – ohne Hightech-Maschine, ohne Spezialzubehör, ohne YouTube-Tutorial. Meine Mama genauso. Von ihr habe ich nähen gelernt und ich muss noch oft an sie denken. Das kommt mir in den Sinn, wenn ich an einem feinen Stoff sitze. Denn die beste Technik ist oft die einfachste..

Und genau darum geht es in diesem Artikel. Babysaum nähen – ohne Rollsaumfuß, ohne Stress. Nur mit einem Stück Seidenpapier.


Kurzantwort: Einen Babysaum ohne Spezialfuß nähen gelingt am einfachsten mit Seidenpapier als Unterlage. Das Papier stabilisiert den feinen Stoff beim Nähen und verhindert Kräuseln und Verziehen. Danach reißt du es einfach ab. Du brauchst keinen Rollsaumfuß, nur deinen normalen Nähfuß.


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Was ist ein Babysaum?

Ein Babysaum ist ein sehr schmaler, doppelt umgeschlagener Saum – typischerweise nur 3–5 mm breit. Er ist die eleganteste Art, leichte Stoffe abzuschließen: Chiffon, Georgette, Viskose, Seide. Der Saum bleibt leicht, sieht von beiden Seiten sauber aus – und passt perfekt zu den luftigen Sommersachen, die ich gerade im Kopf habe.

Das Schwierige daran: Genau die Stoffe, für die er gemacht ist, machen beim Nähen am meisten Theater.

Das Problem mit feinen Stoffen – und warum ich den Rollsaumfuß trotzdem im Schrank lasse

Feine Stoffe haben keinen Grip. Sie gleiten, sie dehnen sich, sie flutschen unter dem Nähfuß weg – obwohl man eigentlich nichts falsch macht.

Der Rollsaumfuß wäre die naheliegende Lösung. Aber wie ich in meinem Artikel über meine Lieblings-Nähfüße schon geschrieben habe: Saumfüße besitze ich, benutze sie aber kaum. Der Rollsaumfuß braucht eine Lernkurve. Wenn du zum Beispiel 50 Faschingskostüme mit Chiffon nähst, ist der Spezialfuß absolut Gold wert. Du übst an Reststoff damit und dann wird das Säumen von Kilometern feinen Stoffes ein Kinderspiel.

Nahaufnahme eines Rollsaumfußes an der Nähmaschine beim Nähen von feinem, gemustertem Stoff
Der Rollsaumfuß – er kann viel, braucht aber ein bisschen Übung

Aber nur für eine Bluse oder einen luftigen Rock? Da bin ich zu faul 🤷🏼‍♀️.

Deshalb ist meine Alternative: Seidenpapier als Unterlage. Einfach, flexibel – und hinterher einfach abreißen.


Was du brauchst

  • Deinen Stoff
  • Bügeleisen (wenn du den Stoff bügeln darfst)
  • Seidenpapier (das dünne aus Geschenkboxen – ja, genau das)
  • Nähmaschine mit normalem Nähfuß
  • Passenden Faden
  • Feine Nadel – bei Chiffon z. B. Super Fine 60 oder Microtex 70. Welche Nadel für welchen Stoff passt, erklärt das Nadel-ABC von Schmetz wunderbar.

Das war’s wirklich.


Babysaum nähen mit Seidenpapier – Schritt für Schritt

Vorbereitung

Nahaufnahme einer Microtex-Nadel in der Nähmaschine, Beschriftung der Nadel sichtbar
Für feine Stoffe: eine Super Fine 60 oder Microtex-Nadel, Stärke 70

Teste Fadenspannung und Stichlänge an einem Reststück. Nimm dabei unbedingt 2 Lagen Stoff, weil du später auch auf mehreren Lagen nähst. Außerdem gilt: Die meisten automatischen Nadeleinfädler funktionieren nicht mit feinen Nadeln (60, 70). Bei feinem Stoff wird die Naht schöner, wenn du die Oberfadenspannung deutlich verringerst und die Stichlänge leicht verkürzt.

Schritt 1: Saum vorbereiten

Bügle die Kante um ca. 1 cm auf die linke Seite um.

Bügeleisen bügelt die Kante eines blau-gemusterten Stoffs um ca. 1 cm auf die linke Seite um
Schritt 1: Die Kante ca. 1 cm auf die linke Seite umbügeln

Schritt 2: Seidenpapier unterlegen

Leg einen Streifen Seidenpapier unter die rechte Seite deines Stoffs – direkt unter die Stelle, die du nähen möchtest. Kein Fixieren, kein Heften. Es liegt einfach da.

Denn das Papier stabilisiert den Stoff beim Transport unter dem Nähfuß und verhindert, dass er sich verzieht oder kräuselt. So simpel ist das.

Gemusterter Stoff mit umgebügelter Kante, darunter liegt ein grüner Streifen Seidenpapier
Schritt 2: Das Seidenpapier liegt einfach locker unter dem Stoff

Schritt 3: Erste Naht nähen

Ganz normaler Geradstich, Stichlänge ca. 2, langsam und gleichmäßig. Etwa 2–3 mm von der umgebügelten Kante entfernt nähen. Das Seidenpapier schaut unten etwas hervor. Du wirst sofort merken, wie ruhig der Stoff unter dem Fuß läuft.

Falls du einen Kantennähfuß hast, nutze ihn gern – er hilft, den Abstand gleichmäßig einzuhalten. Ein normaler Nähfuß mit Augenmaß funktioniert aber genauso gut.

Nähmaschinen-Nähfuß gleitet über blau-gemusterten Stoff mit grünem Seidenpapier als Unterlage
Schritt 3: Der Stoff läuft mit Seidenpapier viel ruhiger durch

Schritt 4: Stoff bis knapp an die Naht zurückschneiden

Das Papier bleibt noch dran! Danach schneidest du den überstehenden Stoff bis knapp vor die Naht zurück. Eine Applikationsschere macht das besonders präzise.

Bunte Applikationsschere schneidet überstehenden Stoff knapp an der Naht zurück, Seidenpapier noch dran
Schritt 4: Knapp zurückschneiden – das Papier bleibt noch dran

Schritt 5: Saum umfalten und zweite Naht nähen

Falte die Kante mit dem Papier nun noch einmal auf die linke Seite um. Dann bügle wenn möglich von der rechten Seite – bei dünnen Stoffen siehst du direkt, ob du gleichmäßig gefaltet hast.

Jetzt nähst du auf der linken Seite, auf dem Papier, genau auf der vorherigen Naht eine zweite Naht.

Schritt 6: Papier entfernen – fertig!

Reiß das Seidenpapier jetzt vorsichtig ab – bei dünnem Seidenpapier geht das ganz leicht. Dein Babysaum ist fertig!

Von der rechten Seite siehst du eine Naht, auf der linken die beiden direkt übereinander liegenden Nähte. Ein sauberer, gleichmäßiger Babysaum – ganz ohne Gefummel. Genau das, was ich mir von meiner Oma abgeschaut hätte.

Tipps aus der Praxis

Welche Stoffe funktionieren besonders gut? Chiffon, Georgette, Viskose, dünne Baumwolle, Seide – alles Leichte und Feine, das einen schmalen Saum möchte. Bei stabilen Stoffen brauchst du den Trick nicht.

Stichlänge und Spannung: Stichlänge ca. 2, feine Nadel (Super Fine 60 oder 70), Oberfadenspannung reduzieren. Immer auf einem Reststück testen – das lohnt sich wirklich.

Ein Trick, den meine Oma schon kannte

Kein Spezialfuß. Kein Spezialzubehör. Ein Stück Seidenpapier – und ein Trick, den meine Oma schon kannte. Ganz ohne Erklärung.

Probier es aus, wenn du das nächste Mal einen feinen Sommerstoff auf dem Tisch hast. Ich bin gespannt, wie er bei dir läuft.


Nähst du Babysäume mit Rollsaumfuß, mit Seidenpapier – oder hast du noch einen ganz anderen Trick? Schreib’s in die Kommentare.


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