Wenn Stoffreste Berge erklimmen dürfen, bin ich dabei. Ich habe kürzlich den Scrappy Mountain Quilt genäht – beziehungsweise: Das Top ist fertig und wartet noch aufs Heften und Quilten. Aber weil die Eindrücke noch ganz frisch sind, gibt es heute schon meinen ehrlichen Pattern-Check.
Auf einen Blick: Scrappy Mountain Quilt
Designerin: Leila Gardunia
Technik: Foundation Paper Piecing (FPP)
Schwierigkeit: Einsteigerfreundlich bis Fortgeschrittene
Besonderheit: Perfekt für die Verwertung kleinster Stoffreste (Scraps)
Wichtigster Tipp: Hintergrundstoff großzügig kalkulieren (Zuschnittplan im Muster ist sehr knapp!)
Das Scrappy Mountain Quilt Schnittmuster im Überblick
Der Scrappy Mountain Quilt ist ein englischsprachiges FPP-Schnittmuster (Foundation Paper Piecing / Nähen auf Papier) von Leila Gardunia. Erhältlich ist es in ihrem Etsy Shop.
Leila entwirft viele Muster speziell für Stoffreste – etwas, das ich absolut liebe. Die Scrappy Mountains gibt es auch als einzelne Blöcke als Download zu kaufen – man muss nicht einen ganzen Quilt nähen! Einige deutsche Patchworkgeschäfte führen diese sogar als Abreißblock, z.B. bei Quiltzauberei.de. Das spart das Ausdrucken und ist besonders praktisch, wenn man einfach loslegen möchte.
Im vollständigen Quilt-Schnittmuster enthalten sind:
- verschiedene Blockgrößen
- ein Layout-Plan
- ein Zuschnittplan für den Hintergrundstoff
- ausführliche Erklärungen (alles auf Englisch)
Zuschneideplan: Reicht der Stoff wirklich?
Ich habe mich exakt an die Anleitung gehalten. Angegeben waren 3,75 Yard Hintergrundstoff (das sind ca. 3,43 m). Ich habe 3,5 m bestellt, vorgewaschen (Shot Cotton) und nach Plan zugeschnitten.
Und dann wurde es knapp. Sehr knapp. Am Ende musste ich Stoff nachbestellen.
Natürlich kann es sein, dass mein Stoff beim Waschen stärker eingegangen ist. Aber beim Nachrechnen bin ich über den Zuschnittplan gestolpert.
Beispiel:
Für die 2,5-Inch-Streifen werden 6 Stück à 60,5 Inch benötigt. Zusätzlich kommen weitere Längen dazu. Laut Plan soll man 10 Streifen über die volle Stoffbreite zuschneiden. Die volle Stoffbreite beträgt bei Patchworkstoffen etwa 43 Inch.
Rechnet man das durch, braucht man allein für die 6 langen Streifen rechnerisch bereits 9 Streifen. Der zehnte reicht für die restlichen Zuschnitte nicht mehr aus. Ich würde daher empfehlen, 11 Streifen einzuplanen.
Interessanterweise brauchte ich bei den 3,5-Inch-Streifen einen weniger als angegeben. Vielleicht habe ich besonders effizient zugeschnitten – oder der Plan ist nicht ganz konsistent.
Meine Empfehlung:
Bestellt lieber ein paar Zentimeter mehr Hintergrundstoff und rechnet im Zweifel selbst noch einmal nach.
Nähen der Blöcke – Organisation ist alles
Für die Blöcke wird der Hintergrundstoff zusätzlich in Dreiecke vorgeschnitten – je nach Blockgröße in unterschiedlichen Maßen. Hier hilft eine saubere Beschriftung enorm, um beim Nähen organisiert zu bleiben.
Die Dreiecke sind großzügig bemessen, vor allem bei den kleineren Blöcken. Persönlich hätte ich sie etwas knapper kalkuliert – aber lieber schneidet man am Ende etwas weg, als dass Stoff fehlt.
Die Berge und Gipfel entstehen aus Stoffresten. Und hier wird es richtig schön: Gerade bei den kleinen Blöcken lassen sich auch winzige Scraps verarbeiten.
Ich habe meine Kisten mit Weiß-, Grün-, Aqua- und Blautönen herausgeholt und mit etwas Lila ergänzt. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Bei mir sah der Zuschneidetisch irgendwann aus, als hätte eine Stoffreste-Explosion stattgefunden – aber das gehört bei mir zum kreativen Prozess. Ich mag zufällige Kombinationen. Das Chaos hilft mir beim Loslassen.



Nähgefühl & Aufwand
Die größeren Blöcke nähen sich erfreulich schnell. Die kleinsten sind etwas fummeliger: hier empfehle ich eher ein „add-an-eighth“-Lineal statt eines „add-a-quarter“.
Das Schöne an diesem Quilt: Man kann problemlos zwischendurch einen einzelnen Block nähen, ohne lange überlegen zu müssen. Perfekt für kleine Nähzeit-Fenster.
Ich habe wie immer bei FPP mit einer verkürzten Stichlänge (ca. 1,2) genäht und eine Microtex-Nadel (gebraucht, Stärke 70 oder 80) genutzt, damit sich das Papier später leichter entfernen lässt. Nach dem Quilt war die Nadel dann wirklich durch und durfte in meinen „Nadel-Friedhof“.
Für wen ist das Muster geeignet?
- Für alle, die gerne Stoffreste verarbeiten
- Für FPP-Erfahrene absolut entspannt
- Für FPP-Einsteiger gut machbar
- Für alle, die flexible Nähprojekte lieben
- Für alle, die zumindest ein bisschen „Näh-Englisch“ können
Wer sehr exakt kalkulierte Zuschnittpläne erwartet, sollte allerdings selbst noch einmal mitdenken.
Fazit: lohnt sich der Scrappy Mountain Quilt?
Trotz kleiner Schwächen im Zuschnittplan gefällt mir der Scrappy Mountain Quilt sehr gut. Die unterschiedlichen Blockgrößen sorgen für Dynamik, die Scrappy-Berge machen Spaß, und das Muster bietet viel kreativen Spielraum.

Mein Tipp:
Bestellt etwas mehr Hintergrundstoff und überprüft die Streifenberechnung vor dem Zuschnitt.
Und dann: Stoffreste raus, Papier vorbereiten und Berge wachsen lassen.
Ich bin neugierig: Habt ihr das Pattern schon genäht? Seid ihr Team wild kombiniert oder Team Farbkonzept?
