Vor zehn Jahren bin ich 50 geworden. Gefeiert habe ich auf einem Raumschiff. Na gut, fast: in unserem Garten und im Gartenhäuschen. Aber das hatte ich innen komplett mit Rettungsdecken ausgekleidet, goldene Seite nach außen. Das gab definitiv ein Raumschiff-Feeling!
Und weil zu einer Star-Trek-Party Tribbles gehören, habe ich welche genäht. Viele. Zehn Jahre später sind sie mir wieder eingefallen, und mit ihnen eine Frage, die mich seitdem nicht mehr loslässt: Wie wird so ein Baseball-Schnitt eigentlich konstruiert? Und klappt das auch mit ganz normalem Stoff?
Kurz und knapp: Einen Ball aus zwei Teilen nach dem Baseball-Prinzip kannst du gut aus Kunstfell oder langflorigem Plüsch nähen, weil das Material nachgibt und der Flor kleine Unebenheiten versteckt. Aus Webware ist das deutlich schwieriger, weil man jedes kleine Fältchen sieht. Echte Baseballs bestehen aus Leder, das vor dem Nähen eingeweicht und um den Kern geformt wird.
Meine Star-Trek-Party zum 50. Geburtstag
Die Vorbereitungen für meine Party haben zum Teil über ein Jahr gedauert. Und ich hatte jede Minute davon Spaß. Na gut, nachdem ich 30 von 50 Gläsern per Hand graviert hatte, hielt sich der Spaß in Grenzen – aber ich wollte das so.
Ich habe mir zwei Kostüme genäht, das komplette Essen geplant, probegekocht und -gebacken und es war natürlich intergalaktisch. Die Getränke bekamen eigene Etiketten. Dazu kamen Poster, Banner, Pappaufsteller und jede Menge Deko. Das Buffet stand in „Quark’s Bar & Restaurant“, und für mein neues Raumschiff (ein Klapprad) gab es einen eigenen Parkplatz.

Inzwischen sind es 60 Jahre, und mit diesem runden Geburtstag hat sich bei mir einiges verschoben. Warum ich mir dafür einen neuen Claim gegeben habe, steht in „Fertig ist das neue Perfekt“. Die Tribbles passen da erstaunlich gut hinein. Dazu gleich mehr.
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Was sind eigentlich Tribbles?
Falls du kein Trekkie (oder Trecker) bist: Tribbles sind kleine, pelzige Tierchen aus dem Star-Trek-Universum. Sie schnurren, sie sind niedlich, und sie vermehren sich unglaublich schnell. Ihren großen Auftritt haben sie in der Folge „The Trouble with Tribbles“, auf Deutsch „Kennen Sie Tribbles?“, aus dem Jahr 1967. Am Ende der Folge wimmelt die Enterprise nur so davon. Auch auf Deep Space Nine tauchen sie auf, ebenso bei „Strange New Worlds“.
Noch eine Anekdote habe ich gefunden, die für uns handwerklich tätige interessant ist: Laut Wikipedia hat eine Näherin namens Jacqueline Cumeré für die Serie 500 Tribbles aus Kunstfell genäht und mit Schaumgummi gefüllt. Bezahlt wurde sie dafür mit 350 Dollar. Fünfhundert Stück! Ich habe für meine Party deutlich weniger genäht und war trotzdem irgendwann froh, als der letzte fertig war.
Und noch ein Detail: Das Kunstfell der 60er-Jahre hat stark gehaart. Viele der Original-Tribbles sind mit der Zeit kahl geworden. Ich fühle mich bestätigt: Kunstfell fusselt. Bis heute.
Tribbles nähen: zwei Teile, viel Fell, noch mehr Fusseln
Für meine Tribbles hatte ich mir verschiedene Kunstfelle besorgt, in Rotbraun, Grau, Dunkelbraun, Creme und Hellbeige. Als Form habe ich einen Baseball gewählt. Den näht man aus zwei identischen Teilen, die aussehen wie ein Knochen oder eine Acht mit Taille. Dreht man das eine Teil um 90 Grad und legt es an das andere, greifen die beiden Hälften ineinander und schließen sich zur Kugel.

Genäht habe ich alles von Hand. Und zwar draußen. Kunstfell fusselt beim Zuschneiden so, dass ich es nicht im Nähzimmer haben wollte. Die fertigen Hüllen habe ich mit Füllwatte ausgestopft.
In einen Tribble habe ich zusätzlich ein Katzenspielzeug eingenäht, das Geräusche macht, wenn man an der Schnur zieht. Ein Tribble, der Laute von sich gibt. Ich war sehr zufrieden mit mir.
Und einigermaßen rund wurden sie alle. Jedenfalls sah es so aus. Bei langem Flor fällt es schlicht nicht auf, wenn die Form darunter nicht ganz kugelig ist.

Zehn Jahre später: Kann man das auch aus Webware nähen?
Irgendwann in den letzten Tagen kamen mir die Tribbles wieder in den Sinn. Und mit ihnen die Idee, so einen Ball einmal aus Webware zu nähen. Ich wollte verstehen, wie der Schnitt dafür konstruiert wird. Denn bei Webware sieht man jede Delle.
Also habe ich überlegt, konstruiert und ein Probemodell genäht.
Epic Fail. Ging gar nicht.
Also wieder aufgetrennt, neu konstruiert, neu genäht. Nicht viel besser.
Ein weiteres Muster habe ich aus Schaumstoff genäht. Das Ergebnis siehst du hier. Es ist sehr hübsch geworden. Als Marshmallow. Nicht als Kugel. 😂

Probemodelle aus günstigem Material nähe ich übrigens grundsätzlich, bevor ich mich an den guten Stoff wage. Wie das bei Kleidung aussieht, habe ich in „Probenähen mit Ikea Bettwäsche“ beschrieben.
Wie wird ein Baseball-Schnitt eigentlich konstruiert?
Ich weiß nicht, ob es dir auch manchmal so geht. Aber dieses „Wie wird so ein Baseball eigentlich konstruiert?“ ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich habe viel (zu viel?) Zeit damit verbracht, im Internet zu recherchieren, zu rechnen und zu zeichnen. Da geht manchmal das Mathe- oder Forscher-Gen mit mir durch.
Dann habe ich die KI gefragt. Sie hat mir ein Muster gezeichnet, bei dem ich sofort gesehen habe: Das kann nicht funktionieren. Woher ich das wusste? Ich hatte schon ein paar nicht funktionierende Muster genäht. Erfahrung aus der Testreihe schlägt jede schöne Zeichnung.
Also habe ich nachgefragt. Und zwar nicht nach einem neuen Muster, sondern nach den mathematischen Prinzipien. Was muss man beachten, wenn der Ball nicht aus Leder genäht wird, sondern aus Webware oder Plüsch? Und dann hat auch die KI eingesehen, dass der erste Entwurf Bullshit war. Nach einer weiteren Diskussionsrunde fand ich es ok. Meine Mathekenntnisse sind etwas eingerostet, deshalb gab es noch eine Gegenprüfung durch meinen Mann. Sein Urteil: plausibel.
Eine KI liefert dir schnell ein Muster. Ob es funktioniert, weißt du erst, wenn du es genäht hast.
Warum eine Kugel aus zwei Stoffteilen nicht so leicht rund wird
Hier kommt die Erklärung, so wie ich sie verstanden habe. Ohne Formeln, versprochen. Aber auch im Bekleidungsnähen werden ja flache Schnittteile mittels Abnäher und/oder Schnittführung an Rundungen des Körpers angepasst.
Die Orangenschale.
Schäle eine Orange und versuche, die Schale flach auf den Tisch zu drücken. Sie reißt ein, oder sie wölbt sich. Ganz flach liegt sie nie. Umgekehrt funktioniert es genauso: Aus flachem Stoff wird keine Kugel, ohne dass sich der Stoff irgendwo dehnt oder staucht. Das ist kein Konstruktionsfehler, das ist Geometrie. Mathematiker kennen das als Theorema egregium von Carl Friedrich Gauß. Es ist übrigens auch der Grund, warum jede Weltkarte die Erde verzerrt.
Die Fläche stimmt, die Form trotzdem nicht.
Mein Ball sollte einen Umfang von 21 cm haben. Eine Hälfte der Kugeloberfläche hat dann rund 70,2 cm². Eines der Schnittteile aus der KI-Runde hatte 68,9 cm², der Stoff hätte sich also nur um etwa 2 Prozent dehnen müssen. Klingt nach wenig. Das Problem ist aber nicht die Menge Stoff, sondern dass sich jedes Teil in zwei Richtungen gleichzeitig wölben muss. Und das über eine halbe Kugel hinweg.
Je größer das Teil, desto größer die Verzerrung.
Bei nur zwei Teilen muss jedes davon die Hälfte der Kugel abdecken. Das ist viel Fläche, die sich krümmen soll. Ein Wasserball oder ein Fußball besteht deshalb aus vielen kleinen Teilen. Jedes einzelne muss sich nur ein bisschen wölben, und das schafft auch ein Material, das kaum nachgibt.
Webware dehnt sich kaum.
Im geraden Fadenlauf gibt Webware fast gar nicht nach, im schrägen Fadenlauf ein wenig. Was nicht nachgeben kann, wirft Falten oder bildet flache Stellen. Siehe Marshmallow.
Leder, Filz und Fell sind nachgiebiger.
Echte Baseballs werden aus Leder genäht. Die Lederteile werden laut Ask Dr. Universe der Washington State University in Wasser eingeweicht, damit sie weich werden und sich um den Ball formen lassen. Dann werden sie von Hand mit genau 108 Stichen zugenäht. Ein Tennisball hat dieselbe Zwei-Teile-Form, nur aus Filz. Und Kunstfell oder Plüsch verzeihen sowieso viel: Die Trägerware gibt nach, und der Flor versteckt den Rest. Deshalb waren meine Fell-Tribbles (quasi) rund und mein Webware-Ball nicht.
Übersicht
| Material | Gibt nach? | Zwei-Teile-Ball wird rund? |
|---|---|---|
| Leder (eingeweicht) | ja, deutlich | ja, so werden Baseballs gemacht |
| Filz | ja | ja, so sehen Tennisbälle aus |
| Kunstfell, Plüsch | ja, und der Flor verdeckt Dellen | ja, mit langem Flor für Tribbles ideal |
| Webware, schräger Fadenlauf | ein wenig | mit Geduld und Präzision einigermaßen |
| Webware, gerader Fadenlauf | kaum | eher nicht |
Konkav, konvex und die Nahtzugabe
Noch ein Detail, das man vielleicht vom Bekleidungsnähen – bzw. dem Nähen mit Rundungen – kennt: An so stark geschwungenen Kanten verhält sich die Nahtzugabe ganz anders als an einer geraden Naht. Das Schnittteil für den Ball hat beide Sorten Kurven.
Konkav heißt nach innen gewölbt, wie die Taille in der Mitte des Schnittteils oder ein Halsausschnitt. Wendest du so eine Naht, muss sich die Zugabe auf einer längeren Strecke ausbreiten, als sie hat. Sie spannt, und die Naht legt sich nicht flach. Deshalb schneidest du die Zugabe hier ein: kleine gerade Schnitte, senkrecht zur Naht, bis knapp davor. Dann kann sie sich spreizen.
Konvex heißt nach außen gewölbt, wie die runden Enden des Schnittteils oder ein runder Kragen. Hier passiert das Gegenteil: Nach dem Wenden hat die Zugabe zu wenig Platz, schiebt sich zusammen und macht Beulen. Deshalb kerbst du hier aus und schneidest kleine Dreiecke aus der Zugabe heraus, damit sie flach liegt.
Bei beidem gilt: Schneide nie durch die Naht. Lass immer ein bis zwei Millimeter Luft.
Mein Tipp: Nähe vor dem Zusammennähen auf jedem Schnittteil einmal 1 bis 2 mm außerhalb der Nahtlinie entlang. Dann kannst du ganz sorgenfrei genau bis zu dieser Hilfsnaht einschneiden und auskerben, ohne Angst, die eigentliche Naht zu erwischen.

Bei sehr kleinen, engen Rundungen wie beim Ball geht es auch schneller: Schneide die Zugabe einfach schmal zurück, mit der Zackenschere oder auf etwa 3 mm. Warum die Nahtzugabe beim Schnitt überhaupt so viel ausmacht, erkläre ich in „Schnittmuster mit oder ohne Nahtzugabe“.
Was ich aus meiner Testreihe mitnehme
Ein schön runder Ball aus Webware, nach dem Baseball-Prinzip aus zwei Teilen genäht, ist schwierig. Für Bälle aus Webware ist ein Schnitt mit mehr und kleineren Teilen leichter zu nähen.
War die Zeit also verschwendet? Überhaupt nicht. Das Recherchieren, Tüfteln und Eintauchen in das Thema hat mir großen Spaß gemacht. Ich verstehe jetzt, warum manche Schnitte funktionieren und andere nicht. Und ich weiß, wann ich einer schönen Zeichnung (und der KI sowieso) misstrauen sollte. Warum mich genau dieses Neues-Lernen so glücklich macht, habe ich in „Wann hast du das letzte Mal etwas Neues gelernt?“ aufgeschrieben.
Die Probemodelle sind keine Pannen, sie sind meine Messreihe. Ohne den Marshmallow hätte ich das falsche KI-Muster nicht sofort erkannt. So arbeite ich generell gern: ausprobieren, schauen, umbauen. Mehr dazu in „Improvisieren: Warum das meine Stärke ist“.
Tribbles abzugeben
Und falls jemand ein paar Tribbles brauchen kann: Ich hätte noch eine ganze Menge abzugeben. Die vermehren sich ja unglaublich …
Hast du dich auch schon einmal in eine Frage verbissen, die dich einfach nicht losgelassen hat, beim Nähen oder anderswo? Und hat es sich gelohnt? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!
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Häufige Fragen zum Ball nähen
Ja. Aus zwei Teilen wird er vielleicht nicht ganz perfekt, weil Webware kaum nachgibt und man jedes Fältchen sieht. Mit mehr und kleineren Teilen, zum Beispiel aus Segmenten wie bei einer Orange, ist das Nähen etwas einfacher.
Material, das nachgibt: Kunstfell oder Plüsch mit gewirkter, dehnbarer Trägerware, oder Filz. Bei Fell und Plüsch versteckt der Flor zusätzlich kleine Unebenheiten.
Weil sich eine Kugel nicht aus flachen Teilen bauen lässt, ohne dass sich das Material dehnt. Gibt der Stoff nicht nach, entstehen Falten oder flache Stellen. Je größer die einzelnen Schnittteile, desto stärker fällt das auf.
Aus einem Kern, der mit Garn umwickelt wird, und zwei Lederteilen. Das Leder wird eingeweicht, um den Ball geformt und von Hand mit 108 Stichen zugenäht.
