Manche Nähprojekte erinnern mich für immer an einen Ort. Diese zwei tun das ganz sicher. Ich war „im Urlaub“ bei meiner Schwester in Hamburg, und neben Containerhafentour, Schleswig-Holstein Musikfestival und richtig gutem Essen waren wir natürlich auch shoppen. Bei Alles für Selbermacher habe ich dann spontan zwei Streifen-Jerseys gekauftt. Beide sind inzwischen zu Shirts geworden, und jedes Mal, wenn ich sie trage, bin ich in Gedanken kurz wieder an der Elbe.
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Auf einen Blick: Aus zwei Viskosejerseys aus Hamburg habe ich zwei sommerliche Ringelshirts genäht. Das eine nach dem raffiniert konstruierten Raglanschnitt „Bethioua“ von ellepuls, bei dem sich die Streifen in der Rückenpasse treffen und einen tollen Effekt ergeben. Das andere nach „Sara“ von Pattydoo mit dem kostenlosen Knotenärmel-Add-on, perfekt, wenn du wenig Stoff hast. Die wichtigsten Handgriffe beim Streifenmatching: Sorgfalt beim Zuschnitt, vor dem Nähen heften und den Obertransportfuß nutzen. Und der wichtigste Gedanke dahinter: nicht wegen einem Millimeter verrückt machen.
Zwei Hamburg-Stoffe, zwei Lieblingsschnitte
Viskosejersey ist – neben Leinenjersey – mein liebster Stoff für sommerliche Shirts. Er ist luftig, leicht und fällt schön weich um den Körper. Genau das Richtige also für zwei Streifenstoffe, die nach „maritim“ schreien. Ich habe mir für beide Shirts bewusst Zeit gelassen, denn Ringel wollen ein bisschen Aufmerksamkeit. Aber der Reihe nach.
Das Raglanshirt „Bethioua“ von ellepuls
Den Schnitt „Bethioua“ habe ich schon häufiger genäht, und ich liebe ihn bei Streifenstoffen. Der Grund steckt im Rücken: Die Passe ist so konstruiert, dass sich die Streifen dort in einem V treffen. Bei einem gestreiften Stoff sieht das richtig edel aus, einfach ein cooles Designdetail.

Damit dieser Effekt sauber wird, lohnt sich genau an dieser Stelle die Mühe. Ich nehme mir Zeit für den Zuschnitt, hefte vor dem Nähen, damit sich möglichst wenig verschiebt, und an der Nähmaschine ist der Obertransportfuß (Walking Foot) Gold wert, weil er die beiden Stofflagen gleichmäßig transportiert. Wenn es an so einer prominenten Stelle wie der hinteren Passe doch nicht passt, dann trenne ich im Zweifel auch noch einmal auf. An gut sichtbaren Stellen lohnt sich das. Unter den Armen dagegen? Da darf es ruhig auch mal einen Tick daneben sein, das sieht sowieso niemand. Zumindest ich nicht.
Kleiner Insider aus meiner eigenen Nähpraxis: In dieses Shirt habe ich einen „Streberstreifen“ eingenäht, und mein Label sitzt diesmal an meiner „neuen“ Position unten am Saum. Warum neu? Weil ich es schon wieder in der Seitennaht vergessen hatte. Mein innerer Streifenmonk ist einigermaßen zufrieden. Da, wo er mit den Augen rollt, ist das sein Problem.

Übrigens funktioniert dieser Schnitt nicht nur aus Viskosejersey. Ich habe ihn auch schon aus Sportlycra genäht, dann wird ein Shirt zum Sport oder Wandern daraus. Bei Lycra ist das Streifenmatching noch etwas kniffliger, weil der Stoff mehr arbeitet. Umso schöner, wenn es dann klappt.

Ob der Schnitt aktuell noch erhältlich ist, kann ich dir leider nicht sicher sagen. Soweit ich weiß, hat ellepuls ihren Schnittmustershop geschlossen. Am besten fragst du direkt bei ihr nach, ob und wie du „Bethioua“ noch bekommen kannst.
Das Shirt „Sara“ von Pattydoo mit Knotenärmeln
Der zweite Hamburg-Stoff, ein Viskosejersey-Panel, ist ein „Sara“ von Pattydoo geworden, und zwar mit Knotenärmeln. „Sara“ nähe ich immer wieder gerne, weil der Schnitt angeschnittene Ärmel hat. Das heißt: Die Ärmel sind Teil des Vorder- und Rückenteils, du brauchst also besonders wenig Stoff. Genau das Richtige, wenn dir wie mir nur ein kleines Panel zur Verfügung steht.

Die Knotenärmel sind ein kostenloses Add-on zum Schnitt. Sie brauchen eigentlich ein bisschen mehr Stoff, aber ich mag sie gerade für sommerlich-leichte Shirts richtig gern, weil sie so ein verspieltes Detail sind. Meine Knotenärmelbelege musste ich diesmal quer zum Maschenlauf zuschneiden, weil der Stoff so knapp war. Das ist nicht die reine Lehre, aber zur Not geht es auch. Und, kleiner Triumph: Diesmal habe ich ans Label in der Seitennaht gedacht.
Warum du dich beim Streifenmatching nicht verrückt machen solltest
Das Nähen dieser Shirts war richtig befriedigend, so für zwischendurch, denn im Grunde geht es schnell. Nur das Streifenmatching kostet etwas mehr Zeit.
Schon beim Zuschnitt kannst du darauf achten, dass die Streifen passen. Schneide bei schwierigen Stoffen besser nicht im Bruch zu, sondern einlagig. Schneide erst einen Ärmel zu und lege ihn dann rechts auf rechts auf den Stoff, um die Streifen genau gleich zu positionieren. Achte bei Vorder- und Rückenteil darauf, dass sie gerade liegen und die Positionen der Streifen an wichtigen Punkten genau übereinstimmen (Achsel, Taillenknips, Saumknips).
Und ganz wichtig: bitte mache dich nicht wegen einem Millimeter verrückt. Wirklich nicht. Schau dir zum Vergleich einmal deine gekaufte Kleidung an und prüfe, ob dort alle Streifen oder Karos perfekt aufeinandertreffen. Spoiler: tun sie oft nicht. Perfektionismus loszulassen heißt hier nicht, schlampig zu nähen. Es heißt, deine Energie an die Stellen zu lenken, die wirklich zählen, und den Rest gelassen zu nehmen. Heften und Walking Foot an den sichtbaren Nähten, ein Schulterzucken unter den Armen. Das ist für mich die perfekte Mischung aus Sorgfalt und Freiheit.
Welche Schnittmuster eignen sich noch für sommerliche Shirts?
Wenn du jetzt Lust auf ein luftiges Sommershirt bekommen hast, habe ich noch ein paar Schnittmuster für dich, die ich selbst genäht habe und wirklich gerne mag.
- „Bethioua“ von ellepuls: der Raglanschnitt aus diesem Artikel, mit dem tollen Streifeneffekt im Rücken. Ideal für gestreifte Stoffe. Achtung: Der Shop ist vermutlich geschlossen, frag bei ellepuls nach.
- „Sara“ von Pattydoo: locker geschnitten, mit angeschnittenen Ärmeln und damit perfekt für wenig Stoff. Die Knotenärmel gibt es als kostenloses Add-on dazu.
- „Leeward Tee“ von Greenstyle Patterns: dieses Schnittmuster habe ich letztes Jahr rauf und runter genäht, aus Leinenjersey und aus Viskosejersey. Durch die Falte im Rücken wird es super locker und luftig. Die Anleitung ist auf Englisch, das Schnittmuster kostet rund 13 US-Dollar.
- „T-Shirt Aeráki“ von Anna EinfachNähen: ein lässiger Schnitt, den ich sehr empfehlen kann. Toll finde ich das Konzept mit den drei verschiedenen Cupgrößen. Das Shirt ist schön locker geschnitten. Ich mache mir nur den Halsausschnitt immer etwas schmaler und tiefer. Der Schnitt ist explizit für weich fließende Stoffe wie Viskosejersey gedacht und kostet 8,90 Euro.

Wenn du noch mehr Ideen für leichte, kofferfreundliche Kleidung suchst, schau gerne in meinen Artikel über meine selbstgenähte Urlaubsgarderobe. Dort findest du weitere Lieblingsschnitte, nicht nur für Shirts.
Hast du auch Nähprojekte, die dich an einen Ort erinnern?
Genau das ist für mich das Schöne am Selbernähen. Diese beiden Shirts sind nicht einfach nur zwei Streifenteile im Schrank. Sie sind ein Stück Hamburg, das ich mir immer wieder überziehen kann. Der Containerhafen, das Musikfestival, der Stoffladen mit meiner Schwester, alles steckt da drin.
Und du? Hast du auch so ein Nähprojekt, das dich an einen Ort oder ein Erlebnis erinnert? Erzähle mir gerne davon in den Kommentaren. Ich bin gespannt!
Häufige Fragen zum Ringelshirt nähen
Ich nähe meine Sommershirts am liebsten aus Viskosejersey. Er ist luftig, leicht und fällt weich um den Körper. Auch Leinenjersey ist toll, weil er besonders kühl und locker ist. Beide gibt es auch mit Streifen für den maritimen Look. Du kannst aber auch Baumwolljersey oder sogar Sportlycra nehmen!
Achte schon beim Zuschnitt darauf, dass die Streifen passen. Schneide bei schwierigen Stoffen lieber einlagig statt im Bruch zu. Hefte die Nähte an den sichtbaren Stellen vor dem Nähen, damit sich der Stoff möglichst wenig verschiebt. An der Nähmaschine hilft ein Obertransportfuß (Walking Foot), weil er beide Stofflagen gleichmäßig transportiert. An sehr prominenten Stellen wie einer Rückenpasse lohnt es sich, im Zweifel noch einmal aufzutrennen.
Nein. Konzentriere dich auf die gut sichtbaren Stellen, zum Beispiel die vordere Mitte oder die Rückenpasse. Unter den Armen darf es ruhig einen Tick daneben sein. Schau dir ruhig deine gekaufte Kleidung an, auch dort passt oft nicht alles perfekt.
Das Shirt „Sara“ von Pattydoo hat angeschnittene Ärmel und braucht deshalb besonders wenig Stoff. Wenn du die Knotenärmel dazunimmst, brauchst du etwas mehr, dafür bekommst du ein verspieltes Detail.
Das kann ich dir leider nicht sicher sagen. Soweit ich weiß, hat ellepuls ihren Schnittmustershop geschlossen. Am besten fragst du direkt bei ihr nach.

