Englische Nähbegriffe: was du wirklich verstehen musst

Plüschdackel sitzt auf gestreiftem Jersey auf einem Nähtisch, daneben Maßband, Schnittteil und Stecknadeln

Es gibt unheimlich viele gute englischsprachige Schnittmuster. Und ich finde es schade, wenn jemand eins nicht näht, weil er denkt, sein Englisch reiche dafür nicht.

Ich musste diese Begriffe auch erst lernen. Das ging aber schnell. Es sind ein paar Dutzend Wörter, nicht mehr, und die meisten davon tauchen in jedem einzelnen Schnittmuster wieder auf. Wenn du sie einmal kennst, kannst du praktisch jede englische Anleitung lesen.

Deshalb sortiere ich sie hier nicht alphabetisch, sondern nach dem Moment, in dem du sie brauchst. Von „ich überlege, das Schnittmuster zu kaufen“ bis „ich sitze an der Maschine“.

Für Patchwork und Quilten habe ich ja schon das Patchwork-ABC geschrieben, hier geht es um allgemeine Näh- und Schnittmusterbegriffe.

Das Wichtigste zuerst: Für englische Schnittmuster brauchst du kein gutes Englisch, sondern etwa 40 Fachbegriffe. Die wichtigsten sind grainline (Fadenlauf), bias (schräger Fadenlauf), seam allowance (Nahtzugabe), RST (rechts auf rechts) und on the fold (im Bruch). Achte außerdem darauf, ob Nahtzugaben enthalten sind und ob in Inch (Zoll) oder Zentimetern gemessen wird.

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Bevor du kaufst: Was in der Beschreibung steht

Diese Begriffe entscheiden darüber, ob das Schnittmuster überhaupt zu dir passt.

  • Difficulty / Skill level: Schwierigkeitsgrad. Die Abstufungen heißen meist beginner, confident beginner, intermediate und advanced. „Advanced“ heißt wirklich fortgeschritten, das ist keine Koketterie. Ein Beispiel davor ist die Origami Bluse von Manoli, die ich genäht habe.
  • Seam allowances included / not included: Nahtzugaben enthalten oder nicht. Der wichtigste Satz der ganzen Beschreibung. Wenn du ihn überliest, schneidest du falsch zu. Wie ich dazu stehe, steht in Schnittmuster mit oder ohne Nahtzugabe.
  • Fabric requirements / yardage: Stoffbedarf. Yardage meint die Menge, oft in yards (1 yard = 91,44 cm).
  • Notions: Kurzwaren. Alles, was du außer Stoff brauchst: Reißverschluss, Knöpfe, Gummi, Einlage.
  • Finished garment measurements: die Maße des fertigen Kleidungsstücks, inklusive Bewegungszugabe. Nicht zu verwechseln mit body measurements, deinen Körpermaßen.
  • Ease: Zugabe. Wearing ease ist die Bewegungsfreiheit, design ease die gewollte Weite des Modells. Negative ease heißt, das Teil ist kleiner als dein Körpermaß, typisch bei Bademode, Sportkleidung und Wäsche.
  • Layered / layers: Ebenen im PDF, damit du nur deine Größe ausdruckst.
  • Print at home / A0 / copyshop: Druckformate. Print at home heißt zu Hause auf einzelnen Blättern ausdrucken und zusammenkleben, A0 oder copyshop meint den großen Bogen aus dem Copyshop.
  • Letter / A4: zwei verschiedene Papierformate. Letter ist das amerikanische Standardformat mit 21,6 x 27,9 cm, unser A4 misst 21,0 x 29,7 cm. Letter ist also etwas breiter und deutlich kürzer. Wenn ein Schnittmuster nur in Letter angeboten wird, kannst du es trotzdem auf A4 drucken. Wichtig ist nur: Drucke immer in 100 Prozent Größe, also ohne „an Seitengröße anpassen“ oder scale to fit. Sonst stimmt nichts mehr.
  • Test square / scale check: das kleine Kontrollkästchen auf der ersten Seite. Miss es nach dem Drucken nach. Wenn dort 1 inch steht und dein Lineal 2,5 cm zeigt, hat alles geklappt.

Beim Stoffkauf: Was der Schnitt von deinem Stoff will

  • Woven: Webware.
  • Knit oder jersey: Maschenware.
  • Stretch percentage: Dehnbarkeit in Prozent. „50 % stretch“ heißt, dass sich 10 cm Stoff auf 15 cm dehnen lassen sollen.
  • Two-way stretch / four-way stretch: dehnbar in eine oder in beide Richtungen. Bei Bademode und Wäsche steht das fast immer dabei, siehe auch meine Tipps zum Bademode nähen.
  • Drape: Fall. Ein Stoff mit viel drape fällt weich, einer mit wenig steht eher ab.
  • Nap: Strichrichtung. Bei Samt, Cord und einseitig gerichteten Mustern musst du alle Teile in dieselbe Richtung zuschneiden. „With nap layout“ heißt genau das.
  • Selvage (amerikanisch) oder selvedge (britisch): Webkante.
  • Interfacing: Einlage. Fusible ist aufbügelbar, sew-in zum Einnähen.
  • Lining: Futter.
  • Bias tape / bias binding: Schrägband.

DOGS sind keine Hunde

Mein Lieblingsbegriff aus dem Wäschenähen: DOGS steht für Direction Of Greatest Stretch, also die Richtung, in die sich der Stoff am stärksten dehnen lässt.

Das ist deshalb so praktisch, weil es dich zwingt, am Stoff zu ziehen statt auf den Maschenlauf zu schauen. Manche Stoffe dehnen sich längs, manche quer, manche in beide Richtungen. Bei figurnahen Teilen soll die dehnbarste Richtung normalerweise um den Körper herum laufen, nicht von oben nach unten. Statt eines Fadenlauf-Pfeils steht in solchen Schnittmustern dann eben ein DOGS-Pfeil.

Beim Zuschnitt: Die Begriffe auf dem Schnittteil

  • Grainline: Fadenlauf. Der lange Pfeil auf dem Schnittteil, parallel zur Webkante.
  • Crossgrain: Querfadenlauf, also quer zur Webkante.
  • Bias: schräger Fadenlauf, 45 Grad. Cut on the bias heißt im schrägen Fadenlauf zuschneiden. Genau das macht Stoff dehnbar und fließend, und genau deshalb hängen solche Teile später aus.
  • On the fold oder place on fold: im Stoffbruch zuschneiden.
  • Cut 1 / Cut 2 / Cut 2 mirrored: einmal, zweimal oder gegengleich zuschneiden.
  • Single layer / double layer: einlagig oder doppellagig zuschneiden.
  • Cutting layout: Zuschnittplan.
  • Notch: Passzeichen oder Knipse (die kleinen Dreiecke oder Kerben am Rand des Schnittteils). Als Verb heißt to notch aber „einschneiden“.
  • RS / WS: right side und wrong side, also rechte und linke Stoffseite.
  • CF / CB: center front und center back, vordere und hintere Mitte.
  • HPS: high point shoulder, der höchste Punkt der Schulter. Von dort wird oft die Länge gemessen.

Beim Nähen: Was du tun sollst

  • RST: right sides together, rechts auf rechts. Die häufigste Abkürzung überhaupt.
  • WST: wrong sides together, links auf links.
  • Seam allowance (SA): Nahtzugabe. Amerikanischer Standard sind 5/8 inch, also etwa 1,5 cm. Britische Schnittmuster nehmen oft 3/8 inch (1 cm).
  • Baste: heften. Entweder von Hand oder mit langem Maschinenstich.
  • Backstitch / backtack: verriegeln, also am Nahtanfang und Nahtende vor und zurück nähen.
  • Staystitch: eine Stütznaht knapp innerhalb der Nahtzugabe, damit sich Rundungen nicht verziehen.
  • Understitch: die Nahtzugabe an den Beleg steppen, damit er nach innen kippt und nicht hervorlugt.
  • Edgestitch: ganz knapp an der Kante absteppen.
  • Topstitch: etwas weiter von der Kante entfernt absteppen.
  • Clip / grade: einschneiden bzw. die Nahtzugaben stufig zurückschneiden, damit Rundungen flach liegen.
  • Press, not iron: pressen, nicht bügeln. Also aufsetzen und anheben statt schieben. Der Unterschied ist größer, als er klingt.
  • Finish the seam / seam finish: versäubern. Also die Schnittkante sichern, damit sie nicht ausfranst. Zum Beispiel mit Zickzack (zigzag), mit der Zackenschere (pinking), der Overlock oder mit einer Hong Kong Naht (Hong Kong finish).
  • Serge / serger: Das ist der Stolperstein. In amerikanischen Anleitungen heißt die Overlock serger, und to serge bedeutet „mit der Overlock versäubern“. Britische Schnittmuster schreiben dagegen overlocker. Wenn dir „serge the raw edges” begegnet, ist schlicht gemeint: Kanten mit der Overlock versäubern.
  • French seam: die französische Naht. Streng genommen keine Versäuberung, sondern eine Nahttechnik, bei der die Schnittkanten in der Naht eingeschlossen werden. Danach brauchst du gar nicht mehr zu versäubern.
  • Ease in / gather: einhalten und kräuseln.
  • Dart: Abnäher.
  • Gusset: Zwickel.
  • Placket: Schlitz oder Blende.
  • Facing: Beleg.
  • Interfacing dagegen ist die Einlage, das verwechselt man am Anfang gern.
  • Hem: Saum. Ein narrow hem oder rolled hem ist ein Babysaum.
  • Topstitching thread: Zierstichgarn.

Wäsche und Bademode: die Spezialvokabeln

Hier wird es speziell, aber wenn du Wäsche nähst, begegnen dir diese Wörter ständig.

  • LOPOL: Low Point Of Lace. Der tiefste Punkt an einer Bogenkante der Spitze. Klingt wie eine Nähpolizei, ist aber einfach eine Messmarke: Von dort aus werden Längen bestimmt, weil die Spitzenkante ja wellenförmig verläuft und man sonst nicht weiß, wo man messen soll.
  • DOGS: siehe oben. Also Direction Of Greatest Stretch, die Richtung, in die sich der Stoff am stärksten dehnen lässt.
  • Plush elastic: Gummiband mit weicher Rückseite, das direkt auf der Haut liegt.
  • Cradle: der Rahmen unter den Körbchen bei einem BH, in dem die Körbchen sitzen. Er verläuft unter der Brust und nimmt die Bügel auf.
  • Picot elastic: Gummiband mit Zackenkante.
  • Band: das Unterbrustband, also der ganze Streifen, der einmal um den Brustkorb läuft, inklusive Rückenteil. Hier steckt der größte Teil der Stützkraft für die Brust.
  • Fold over elastic (FOE): Falzgummi, das über die Kante gelegt wird.
  • Bridge, in manchen Schnittmustern auch center gore: der Steg vorne in der Mitte, zwischen den beiden Körbchen des BHs.
  • Powernet: ein elastischer, aber stützender Spezialstoff zum Wäschenähen. Wird gerne bei BHs und Bralettes genommen, zum Beispiel für das Rückenband.
  • Channeling: Bügeltunnel (bei BHs), also das Band, in dem der Bügel steckt.

Wie ich breites Gummi verarbeite, habe ich übrigens beim Wäschegummi annähen gezeigt.

Zoll, Bruchzahlen und andere Stolperfallen

Amerikanische Schnittmuster rechnen in Zoll (inch, ″ ) und in Bruchzahlen. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber schnell gelernt.

ZollZentimeter (gerundet)
⅛“0,3 cm
¼“0,6 cm
⅜“1,0 cm
½“1,3 cm
⅝“1,5 cm
¾“1,9 cm
1″2,5 cm
1 yard91,4 cm

Ein Tipp aus der Praxis: Rechne nicht um. Kauf dir ein Lineal in inch und arbeite direkt damit. Beim Patchwork mache ich das sowieso, und beim Kleidungsnähen spart es dir jede Menge Rundungsfehler.

Die Abkürzungen auf einen Blick

AbkürzungBedeutungDeutsch
RSTright sides togetherrechts auf rechts
WSTwrong sides togetherlinks auf links
RS / WSright side / wrong siderechte / linke Stoffseite
SAseam allowanceNahtzugabe
CF / CBcenter front / center backvordere / hintere Mitte
HPShigh point shoulderhöchster Schulterpunkt
DOGSdirection of greatest stretchRichtung der größten Dehnbarkeit
LOPOLlow point of lacetiefster Punkt der Spitze
FOEfold over elasticFalzgummi
FBA / SBAfull / small bust adjustmentAnpassung für größere / kleinere Oberweite
UFOunfinished objectunfertiges Projekt
WIPwork in progressProjekt in Arbeit

Zum Mitnehmen: die Vokabelkarte als PDF

Damit du nicht jedes Mal hierher zurückkommen musst, habe ich dir alle Begriffe aus diesem Beitrag auf zwei Seiten zusammengefasst. Ausdrucken, beidseitig, ab damit ins Nähzimmer. Dann liegt die Übersetzung neben der Maschine, wenn du sie brauchst.

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Lass dich nicht aufhalten

Du musst nicht gut Englisch können, um ein englisches Schnittmuster zu nähen. Du musst diese Wörter kennen. Und die lernst du beim ersten Projekt nebenbei, weil sie ständig wiederkommen.

Wenn dir eine Vokabel fehlt, schau sie nach und mach weiter. Notfalls schaust du dir die Zeichnungen an, die verstehst du auch ohne Übersetzung.

Für Strickanleitungen gilt das genauso, dazu habe ich schon einmal einen Buch-Check geschrieben.

Welcher englische Nähbegriff hat dich am längsten verwirrt? Und kennst du noch schöne Abkürzungen oder Begriffe, die hier fehlen? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!

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Beitragsbild: mit KI erstellt.

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