Byebye Technik-Kung-Fu: Warum ich mehr Zeit am Computer saß als an der Nähmaschine

Laptop mit geöffnetem crema-catalana-Shop neben einer Bernina B 770 Nähmaschine, dazu ein türkises Nadelkissen

Ein Jahr lang lag mein Onlinekurs auf der einen Website und mein Schnittmuster-Shop auf der anderen. Zwei WordPress-Installationen, zwei verschiedene Plugins, doppelt so viele Updates. Seit heute liegt alles an einem Ort (bei Tentary), und mein Selbstlernkurs „Näh dich glücklich“ ist dort auch zu kaufen.

Die Nähmaschine steht und du gehst an ihr vorbei? Das lässt sich lösen: Näh dich glücklich, mein Selbstlernkurs.

Das klingt nach einer Technik-Geschichte. Ist es aber nicht. Es ist die Geschichte davon, wie ich irgendwann gemerkt habe, dass ich mehr Zeit am Computer verbringe als an der Nähmaschine. Und dass genau das der Punkt war, an dem ich aufhören musste.

Kurzantwort: Meine Schnittmuster und mein Kurs liegen jetzt gemeinsam bei Tentary, statt auf zwei getrennten WordPress-Websites mit zwei Plugins. Das ständige Aktuellhalten hat mich Zeit und Nerven gekostet, allein die Kurs-Lizenz lag bei 199 Dollar im Jahr. Und meine Kundinnen kommen jetzt endlich selbst an ihre Käufe.

4 Gründe, warum meine Bastellösung nicht mehr gepasst hat

1. Ich saß mehr am Computer als an der Nähmaschine

Technik-Kung-Fu nenne ich alles, was ich tun musste, damit meine Verkaufstechnik überhaupt läuft: Updates prüfen, Einstellungen nachziehen, Fehler suchen. Arbeit, die nichts herstellt, sondern nur etwas am Laufen hält. Und davon musste ich ziemlich viel treiben.

Nichts an diesem Konstrukt war kaputt. Es funktionierte ja. Nur eben nicht von allein. Jedes Update wollte geprüft werden, jede Änderung an einer Stelle zog eine an der anderen nach sich. Und irgendwann sitzt du an einem Mittwochabend vor dem Bildschirm, statt an der Maschine, und weißt nicht mehr genau, wie du da eigentlich hingekommen bist.

Im Nähzimmer wäre mir das sofort aufgefallen. Wenn ich länger nach dem passenden Garn suche, als die Naht am Ende dauert, merke ich das. Am Schreibtisch habe ich es monatelang übersehen.

2. Zwei Baustellen wollen doppelt gepflegt werden

Der Kurs lag auf einer eigenen Website. Auch WordPress, dazu ein Kurs-Plugin, über das ich die Module ausgeliefert habe. Das lief seit Mai 2025.

Der Schnittmuster-Verkauf lief auf anjadix.com, mit einem ganz anderen Plugin, eingerichtet in diesem Jahr, als der Rucksackbeutel Uli fertig war.

Zwei Systeme. Zwei Logins. Zwei Stellen, an denen etwas schieflaufen konnte. Einen Onlinekurs ohne Plugin zu verkaufen, war für mich damals gar keine Option, ich kannte schlicht nichts anderes. Das alles aktuell zu halten, fand ich echt stressig. Nichts davon war groß, nichts davon ging kaputt. Es war einfach dauernd da.

3. 199 Dollar im Jahr für ein Plugin, das ich nach einem Jahr abgeschaltet habe

Die kleinste Version des Kurs-Plugins hat 199 Dollar im Jahr gekostet. Nach einem Jahr habe ich es abgeschaltet.

Das war eine bewusste Entscheidung, keine Panne. Aber es ist eine Zahl, die man mal aussprechen sollte, wenn man über selbstgebaute Lösungen redet. „Selbst gemacht“ heißt nicht automatisch „günstiger“. Es heißt oft nur: Du zahlst an anderer Stelle. Mit Geld, mit Zeit oder mit beidem.

Diese Rechnung habe ich hier schon einmal aufgemacht, damals fürs Nähen: Spart Selbernähen wirklich Geld? Der Unterschied liegt nur darin, wofür du deine Zeit ausgibst. Beim Nähen ist die Zeit der Teil, der Spaß macht. Beim Technik-Kung-Fu war sie einfach der Preis.

4. Meine Kundinnen kamen nicht an ihre eigenen Käufe

Das war der Punkt, der mich am meisten gewurmt hat, und er hatte gar nichts mit mir zu tun.

Wenn jemand sein gekauftes Schnittmuster nicht mehr gefunden hat, gab es keine Stelle, an der man sich hätte einloggen können. Es gab nur: mich. Ich habe dann nachgeschaut und die Datei händisch verschickt.

Das ging. Es war sogar irgendwie nett, so persönlich. Aber es war eben auch eine Aufgabe, die jedes Mal auf meinem Schreibtisch gelandet ist, statt bei der Person, die eigentlich nur ihre eigene Datei wollte.

Was kommt nach den Plugins? Kurs und Shop auf einer Plattform

Ich wollte es vereinfachen. Das war der Hauptauslöser, kein großer Knall, keine Katastrophe, an der etwas zerbrochen wäre. Als mein Selbstlernkurs fertig geworden ist, war einfach der Moment da, das Ganze schlanker zu machen.

Jetzt wird es kurz technisch. Wenn dich das Geschäftliche nicht interessiert, ist das völlig in Ordnung: Für dich ändert sich nichts. Spring einfach zum nächsten Abschnitt.

Ich habe eine Weile gesucht. Und ich habe mich dabei bewusst gegen ein Reseller-Modell entschieden, also gegen Anbieter wie Ablefy (früher elopage). Der Grund ist unspektakulär, aber wichtig: Reseller verkaufen die Produkte formal in eigenem Namen und schlagen deshalb Umsatzsteuer auf. Ich unterliege aktuell der Kleinunternehmerregelung. Über einen Reseller würden meine Schnittmuster und mein Kurs für dich also teurer werden, nur wegen der Konstruktion dahinter. Das wollte ich nicht. Günstig sind die Anbieter obendrein nicht, denn die möchten ihren Service ja auch verfgütet haben.

Also habe ich lange recherchiert, bis ich eine Plattform gefunden habe, auf der Kurs und Shop zusammenliegen. Viel Schnickschnack brauche ich nämlich nicht. Eine schlichte Kursstruktur reicht mir völlig, ich brauche da keine Spielchen. Gelandet bin ich bei Tentary, und das Angebot dort finde ich fair.

Tentary ist technischer Dienstleister, kein Zwischenhändler. In den FAQ steht das ausdrücklich: „Wir sind kein Merchant of Record. Du bleibst rechtlich der Verkäufer gegenüber deinen Kund:innen.“ Ich verkaufe also weiterhin in meinem eigenen Namen und auf eigene Rechnung. Deshalb bleiben meine Preise auch meine Preise, ohne Aufschlag von außen. Kurz erklärt: Ein Merchant of Record ist ein Anbieter, der deine Produkte formal im eigenen Namen verkauft. Er ist dann rechtlich der Verkäufer, nicht du.

Ein Punkt war mir dabei besonders wichtig: Tentary ist ein deutsches Unternehmen, die Tentary GmbH, und die Plattform arbeitet nach DSGVO. Beim Datenschutz möchte ich wissen, nach welchem Recht die Daten meiner Kundinnen behandelt werden. Das ist für mich kein Nebenaspekt, sondern eine Grundbedingung.

Transparenzhinweis: Ich werde von keiner der genannten Plattformen bezahlt und verlinke hier keine Affiliate-Links. Das ist einfach mein Weg und meine Entscheidung.

Was sich seit dem Umzug verändert hat

 VorherJetzt
Kurseigene WordPress-Website mit Kurs-PluginTentary
SchnittmusterPlugin auf anjadix.comTentary
Zugriff auf gekaufte Dateiennur über mich, händischjederzeit selbst, per E-Mail-Adresse
Lizenzkosten Kurs-Plugin199 Dollar im Jahrentfällt – Tentary Monatsgebühr 10 € (netto)
Zu pflegende Systeme21

Für dich fast nichts, und das ist Absicht. Die Links sind umgestellt, du landest automatisch im neuen Shop. Du musst nichts anders machen und nichts neu suchen.

Ein Punkt ist aber deutlich besser geworden: Wer im neuen Shop kauft, kann sich jederzeit mit seiner E-Mail-Adresse einloggen und kommt an alle eigenen Käufe. Ohne Umweg über mich. Genau das ging vorher nicht.

Ein Punkt ist noch offen, und den sage ich lieber ehrlich: Für alle, die bisher schon bei mir gekauft haben, suche ich gerade noch nach einer guten Lösung, wie ich sie mit umziehen kann, damit nichts verloren geht. Das ist noch nicht fertig. Aber es ist auf meiner Liste, ganz weit oben.

Und für mich? Ich kann mich wieder auf die Inhalte konzentrieren. Mehr Zeit an der Nähmaschine, mehr Zeit für neue Blogartikel, für neue Kursideen. Das macht mir schlicht mehr Spaß, als an irgendwelchen Techniksachen herumzubasteln.

Wobei, ganz ehrlich: Ich bin durchaus ein bisschen Nerd, ich arbeite auch gern am Computer. Das ist es nicht. Ich bin nur lieber produktiv und kreiere etwas, als dass ich in der Umsetzungstechnik hänge.

Warum ich das Basteln trotzdem nicht bereue

Jetzt könnte hier der Satz stehen: „Hätte ich das mal früher gemacht.“ Steht er aber nicht.

Es gibt richtig coole Shoplösungen und tolle Onlinekurs-Lösungen, bei denen alles möglich ist. Trotzdem war es prima, es erst mal selbst gebastelt zu haben. Ich habe dabei gelernt, was ich wirklich brauche und was nicht. Ohne diese Bastelrunde hätte ich bei der Suche nach der neuen Lösung überhaupt nicht gewusst, worauf ich achten muss.

Das Selbstgebaute war die richtige Entscheidung für seinen Zeitraum. Es hatte nur ein Ablaufdatum, das ich beim Aufbauen noch nicht kannte.

Das ist genau das, wofür „Fertig ist das neue Perfekt“ für mich steht. Nicht: warte, bis du die perfekte Lösung gefunden hast. Sondern: fang an mit dem, was geht. Und trau dich später, es wieder loszulassen, wenn es nicht mehr passt.

Beim Nähen machen wir das ständig. Wir nähen ein Provisorium, das vielleicht drei Jahre hält. Wir trennen auf oder entsorgen es und machen neu. Es ist nur Stoff. Bei der Technik ist es genau dasselbe, es sieht nur wichtiger aus.

Woran du merkst, dass es Zeit ist, dich von deiner Bastellösung zu verabschieden

Wahrscheinlich hast du gar keine Plugins. Vielleicht ist deine Bastellösung ein Nähzimmer-Provisorium, ein Ablagesystem oder ein Ablauf, den du dir mal zurechtgelegt hast. Die Anzeichen sind erstaunlich ähnlich:

  • Du verbringst mehr Zeit mit der Lösung als mit dem, wofür sie da ist. Das ist das deutlichste Zeichen. Und meistens das, das man am längsten ignoriert.
  • Du erklärst sie immer öfter. Wenn du regelmäßig sagen musst „das ist ein bisschen kompliziert, ich mache das schnell für dich“, ist die Lösung nicht mehr dein Werkzeug, sondern deine Aufgabe.
  • Etwas Neues kommt dazu und du merkst: das passt hier nicht mehr rein. Bei mir war es der fertige Selbstlernkurs. Das ist ein guter Moment zum Aufräumen, weil du es sowieso gerade anfasst.
  • Du hältst nur noch fest, weil du schon investiert hast. Zeit, Geld, Nerven. Das ist der schlechteste aller Gründe. Das Geld ist so oder so weg.
  • Du fühlst dich erleichtert, wenn du dir vorstellst, es abzuschalten. Wenn dieser Gedanke Erleichterung auslöst und nicht Panik, hast du deine Antwort schon.

Und wenn du unsicher bist: Es muss nicht sofort sein. Der Moment, ins Tun zu kommen, kommt meistens dann, wenn du sowieso gerade etwas Neues anfängst.

Was jetzt wo liegt

Ganz praktisch, damit du dich zurechtfindest:

  • Schnittmuster und Kurs gibt es jetzt gemeinsam im Shop auf shop.anjadix.com.
  • Deine Käufe findest du dort jederzeit über deine E-Mail-Adresse.
  • Der Blog bleibt genau da, wo er ist. Hier ändert sich nichts.

Häufige Fragen

Warum bist du von WordPress-Plugins auf eine Verkaufsplattform umgezogen?

Weil ich am Ende mehr Zeit am Computer als an der Nähmaschine verbracht habe. Mein Onlinekurs lag auf einer eigenen WordPress-Website mit Kurs-Plugin, meine Schnittmuster auf anjadix.com mit einem zweiten Plugin. Zwei Systeme aktuell zu halten, hat mich dauerhaft Zeit und Nerven gekostet, ohne dass etwas kaputt war. Als mein Selbstlernkurs fertig wurde, habe ich alles auf eine Plattform gelegt.

Was ist der Unterschied zwischen einer Verkaufsplattform und einem Reseller?

Ein Reseller verkauft deine Produkte formal im eigenen Namen und ist damit rechtlich der Verkäufer. Deshalb schlägt er Umsatzsteuer auf. Für mich als Kleinunternehmerin hätte das bedeutet, dass meine Schnittmuster und mein Kurs für meine Kundinnen teurer werden, nur wegen der Konstruktion dahinter. Tentary ist kein Reseller, sondern technischer Dienstleister, ich verkaufe weiterhin in meinem eigenen Namen.

Was hat dich deine selbstgebaute Lösung gekostet?

Allein die kleinste Version des Kurs-Plugins lag bei 199 Dollar im Jahr, was ich nach einem Jahr abgeschaltet habe. Dazu kam die Zeit für zwei Systeme, die niemand in Rechnung stellt und die trotzdem der größere Posten war.

Ändert sich für Käuferinnen etwas?

Fast nichts. Die Links sind umgestellt, du landest automatisch im neuen Shop. Neu ist, dass du dich jederzeit mit deiner E-Mail-Adresse einloggen und deine Käufe selbst abrufen kannst. Für alle, die vor dem Umzug gekauft haben, suche ich noch nach einer Lösung, sie mitzunehmen.

Wie sind deine Erfahrungen mit Tentary bisher?

Meine Tentary-Erfahrungen nach dem Umzug sind gut. Das Einrichten ging ohne Technik-Kung-Fu, Kurs und Schnittmuster liegen an einem Ort, und meine Käuferinnen kommen selbst an ihre Dateien. Der Support antwortet zügig bei Fragen. Was ich noch nicht beurteilen kann: wie sich das über ein ganzes Jahr anfühlt. Ich melde mich wieder, wenn ich länger dabei bin.


Und jetzt bin ich neugierig: Gibt es bei dir gerade auch so eine Bastellösung, an der du festhältst, obwohl sie dich mehr kostet, als sie bringt? Im Nähzimmer, am Schreibtisch oder sonst wo? Erzähl es mir gerne in den Kommentaren, ich lese jeden einzelnen.


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