184 Tipps für entspanntes Nähen aus über 40 Jahren an der Nähmaschine

Anja liegt mit Sonnenbrille entspannt in einem Sitzsack vor der alten Pfaff 30 Nähmaschine ihrer Großmutter

Meine ersten Nähprojekte waren lange Schlabberkleider aus alten Bettlaken. Ich habe sie gebatikt und auf dem Flohmarkt verkauft, irgendwo im Teenageralter. Danach kam ein Nähkurs, der sich anfühlte wie Strafarbeit. Eine Bluse aus blauem Karo-Flanell, die ich nie getragen habe. Ein Kostüm aus roter Bouretteseide mit handgenähten Knopflöchern. Dann eine längere Nähpause, als die Karriere wichtiger war. Und 2019 das Comeback, mit der Entscheidung: ab sofort nähe ich meine komplette Kleidung selbst. Zusammen sind das über 40 Jahre an der Nähmaschine.

In dieser Zeit ist einiges schiefgegangen. Ich habe zwei rechte Ärmel zugeschnitten, einen Bund verkehrt herum angenäht, mit der Overlock in ein fertiges Teil geschnitten und einen Quilt feucht verschenkt. Aus den meisten dieser Pannen ist etwas geworden: Flügelärmel, ein Label an genau der richtigen Stelle, das Butterkekszähnchen-Muster. Was davon geblieben ist, steht hier. Nicht als Vorschrift, sondern als das, was bei mir funktioniert.

Du musst das hier nicht am Stück lesen. Spring in das Kapitel, das dich gerade betrifft, und nimm dir einen einzigen Tipp mit. Mehr braucht es nicht.

Fürs schnelle Lesen: Entspannt nähen heißt nicht, weniger sorgfältig zu arbeiten. Es heißt, deine Sorgfalt dorthin zu legen, wo sie sichtbar wird, und den Rest gut genug sein zu lassen. Und vor allem auch nett zu sich selber zu sein. Die drei größten Hebel sind: fang an, bevor die Bedingungen perfekt sind, arbeite in kleinen Zeitfenstern statt auf den großen Nähtag zu warten, und behandle Fehler als Material statt als Makel.

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Fertig ist das neue Perfekt: 20 Tipps zur Haltung

  1. Frage dich vor jedem Projekt, das dir Angst macht: Was ist das Schlimmste, das passieren kann? Meistens lautet die Antwort: ein Stück Stoff ist hin. Und ja, auch du kannst alles nähen.
  2. Trenne auf und mache neu, wenn es sein muss. Es ist nur Stoff.
  3. Hänge dir „Fertig ist das neue Perfekt” über die Nähmaschine, wenn du dich beim dritten Auftrennen derselben Naht erwischst.
  4. Lass bewusst eine Naht „gut genug” sein. Das ist die beste Übung gegen Perfektionismus beim Nähen, die ich kenne.
  5. Höre auf, beim Zeigen deiner Werke zuerst auf die Fehler zu deuten. Freue dich über dein fertiges Teil, statt es kleinzureden. Näh dich glücklich fängt genau hier an.
  6. Vergleiche deine Nähte nicht mit Fotos, bei denen jemand aus zwanzig Aufnahmen die beste ausgesucht hat.
  7. Drehe mal ein gekauftes Ringelshirt auf links und schaue dir an, wo dort die Streifen nicht aufeinandertreffen. Beim Ringelshirt aus Hamburg hat mich genau dieser Blick beruhigt.
  8. Konzentriere deine Sorgfalt auf die sichtbaren Stellen: vordere Mitte, Rückenpasse, Halsausschnitt. Unter dem Arm sind ein paar Millimeter Versatz nicht so wild – wer schaut denn da genau hin?
  9. Nimm minimal versetzte Nahtkreuzungen und ungleichmäßiges Quilting als Handschrift, nicht als Fehler.
  10. Behandle Fehler als Material, aus dem etwas Neues entsteht. Aus meiner zittrigen Freihandlinie rund um gestickte Eulen ist das Butterkekszähnchen-Muster geworden, das ich bis heute liebe.
  11. Frage dich bei einem Missgeschick zuerst, was daraus werden könnte, bevor du auftrennst. Ich hatte zwei rechte Ärmel zugeschnitten und daraus kurze Flügelärmel improvisiert.
  12. Setze dein Label genau dort hin, wo du versehentlich mit der Overlock in den Stoff geschnitten hast. Das ist auch schon passiert und eröffnet ganz neue Label-Perspektiven.
  13. Setze einen kontrastfarbigen Streifen ein, wenn ein Teil zu klein geraten ist oder eine Stelle kaputt ist. Bei einem Hoodie, bei dem sich die Plotterfolie löste, habe ich genau das gemacht.
  14. Wertschätze die Werke anderer auf deren Niveau, statt zu ranken, wer was besser kann.
  15. Nähe für dich, nicht für Applaus. Du brauchst keine Erlaubnis und keine Reichweite.
  16. Lache über einen Fehler, statt dich zu ärgern. Das ist eine Entscheidung, keine Charaktereigenschaft.
  17. Gönne dir dein Hobby, ohne es finanziell rechtfertigen zu müssen. Ob Selbernähen Geld spart, ist die falsche Frage.
  18. Nähe Geschenke nur, solange es Freude macht, und lass es sein, wenn es zur Pflichtübung wird. Weihnachtsstress vermeidest du so am zuverlässigsten. Wir haben die Weihnachtsgeschenke vor vielen Jahren abgeschafft und verschenken im Prinzip nur noch selbstgebackene Lebkuchen.
  19. Frage dich vor dem nächsten Kauf: Will ich das eigentlich wirklich, oder will es gerade jemand anderes für mich? Ich habe das x-mal erlebt, dass mich fremde Begeisterung angesteckt hat.
  20. Erlaube dir, eine Empfehlung freundlich abzulehnen, auch wenn sie von jemandem kommt, den du magst.

Ins Tun kommen: 17 Tipps gegen den inneren Widerstand

  1. Fange an, obwohl du nicht weißt, wie es ausgeht. Meinen schiefen Hängeschrank hatte ich lange vor mir hergeschoben, und dann hat er trotz unberechenbarer Nachkriegswände gehalten.
  2. Stelle dir einen Timer auf zehn Minuten und fange an, ohne mit dir zu diskutieren.
  3. Zerlege dein großes Projekt in Mini-Schritte, die höchstens 15 Minuten dauern.
  4. Nutze 15 oder 20 Minuten, statt auf den perfekten freien Nähtag zu warten. Der kommt nämlich nicht.
  5. Nähe ein winziges Projekt, wenn du ein schnelles Erfolgserlebnis brauchst.
  6. Träume groß und fange klein an: ein Kissen, ein Stirnband, ein Paar Ofenhandschuhe oder ein Rucksackbeutel.
  7. Nähe einmal ganz ohne Schnittmuster und ohne Ziel, nur um zu spielen.
  8. Nähe bewusst etwas Krummes und Schiefes, wenn dein Kopf dich blockiert. Falls du dich fragst, ob du überhaupt kreativ bist: Kreativität ist ein Muskel, kein Talent. Ich hatte jahrelang den Glaubenssatz „ich kann nicht malen”, bis ich in einer Reha eine Gurke gemalt habe, weil ich „Gruppentherapie” als „Gurkentherapie” verstanden hatte. Das Bild hängt bis heute im Esszimmer.
  9. Wechsle bewusst deine übliche Farbpalette, wenn nichts mehr fließt.
  10. Probiere ein anderes Werkzeug aus, die Overlock statt der Nähmaschine oder umgekehrt.
  11. Verlasse bei einer Kreativblockade das Nähzimmer, statt dich am Tisch festzubeißen.
  12. Mache einen Tag ganz ohne Nähen. Gehe kochen, backen oder spazieren. Der Kreativ-Muskel arbeitet auch außerhalb des Nähzimmers.
  13. Nimm dir im Urlaub bewusst eine Nähpause. Ich habe meine Nähmaschine einmal schlicht vergessen einzupacken, und der erste Tag ohne Nähen fühlte sich an wie eine Mischung aus Leere, leichter Panik und ein bisschen Schuld. Aber es war gut!
  14. Beobachte im Urlaub Muster, Farben und Texturen, statt ein Projekt mitzuschleppen.
  15. Sei nett zu dir, wenn nichts klappen will. Gönne dir eine Pause.
  16. Nutze Mangel und Beschränkungen als Kreativitätsquelle. Ich habe gemerkt, dass Beschränkungen mich oft kreativ werden lassen, und mir deshalb ein Jahr lang „verboten”, Bekleidungsstoffe zu kaufen.
  17. Lerne regelmäßig etwas Neues und akzeptiere, dass Fehler dazugehören. Das ist Weiterentwicklung.

Ideen, Projekte und der UFO-Berg: 16 Tipps

  1. Schreibe deine Ideen sofort auf. Ich habe schon so oft wie ein Eichhörnchen ganz viele Ideen-Nüsse verbuddelt, die sind erst mal verschollen.
  2. Führe ein Nähtagebuch und notiere nach jedem Projekt, was du geändert hast und wo es geklemmt hat. Bei mir schafft Ordnung im Nähzimmer auch Ordnung im Kopf.
  3. Fotografiere deine fertigen Werke, auch die krummen.
  4. Sammle deine Ideen digital, zum Beispiel in einem kostenlosen Trello-Board. Das spart mir mindestens 100 offene Browsertabs.
  5. Sortiere deine Ideenliste regelmäßig durch und streiche, was dich nicht mehr interessiert.
  6. Schreibe dir zu Jahresbeginn eine „to sew”-Liste, damit die wichtigen Projekte nicht untergehen.
  7. Verteile deine Nähideen über das Jahr, wenn zu viele auf einmal kommen.
  8. Lege dir Projektboxen an, in denen Stoff, Schnitt und Zubehör für ein Vorhaben zusammenliegen.
  9. Hole alle deine unfertigen Projekte hervor und sortiere sie nach Kategorien: fertig machen, auf Material warten, loslassen.
  10. Nimm dir maximal drei UFOs auf einmal vor. Mehr überfordert leicht.
  11. Triff für jedes UFO eine klare Entscheidung: fertigstellen, umarbeiten oder verabschieden.
  12. Trenne ein Projekt auf, wenn du nur den Stoff retten willst. Das ist kein Scheitern, das ist Recycling.
  13. Probiere mal aus, einen Monat lang, keine neue Projekte anzufangen oder Stoff zu kaufen.
  14. Belohne dich nach jedem beendeten UFO mit einer kleinen Freude.
  15. Frage eine Nähfreundin, ob sie deine UFO-Überwacherin sein möchte, oder verabrede eine gemeinsame Finish-Session.
  16. Bremse dich, wenn du zu viele Projekte gleichzeitig anfängst. Der Beginn eines neuen Projekts ist für mich der schönste Teil, deshalb kenne ich das Problem gut.

Dein Nähzimmer: 24 Tipps für Ordnung und einen Rücken, der mitmacht

  1. Frage dich zuerst, für wen du eigentlich aufräumst, bevor du anfängst.
  2. Schaue dir dein Nähzimmer einmal ehrlich an, ohne zu urteilen, und benenne konkret, was dich bremst. Bei mir lagen die Leichen unter dem Zuschneidetisch, wo alles landete, das keinen Platz hatte.
  3. Suche dir für heute genau eine Zone aus, die dich am meisten stört, und setze dir einen Timer auf 20 bis 30 Minuten.
  4. Höre auf, wenn der Timer klingelt, auch wenn gerade Schwung da ist. Sonst räumst du tagelang Kram im Kreis.
  5. Mache vorher ein Foto. Auf dem Foto siehst du Dinge, die du im Raum längst nicht mehr wahrnimmst.
  6. Sortiere deine Stoffe nach einem System, das für dich funktioniert: nach Farbe, nach Material, nach Serie oder nach Projekt. Es gibt nicht DAS richtige System, das richtige ist, was FÜR DICH funktioniert.
  7. Beschrifte deine Boxen und Fächer, wenn du hast, mit einer Etikettiermaschine.
  8. Definiere für dich, ab welcher Größe ein Rest wirklich ein Rest ist und nicht nur Aufbewahrungs-Schuldgefühl.
  9. Räume den Bereich zuerst auf, der dich am meisten stresst, nicht den, der am schnellsten fertig ist. Ein kostenloser Mini-Guide zum Analysieren hilft dir dabei, den zu finden.
  10. Stelle deinen Nähtisch so ein, dass deine Ellenbogen locker über der Nähfläche schweben.
  11. Achte darauf, dass deine Füße flach auf dem Boden stehen und deine Knie einen rechten Winkel bilden.
  12. Ziehe die Schultern nicht hoch. Lass sie fallen und atme einmal tief durch, bevor du losnähst.
  13. Nimm den Stuhl, der zu dir passt, nicht den, der im Katalog schön aussah. Ich nähe am liebsten auf einem Hocker, wo weder Rücken- noch Armlehne stört.
  14. Lege eine rutschfeste Matte unter dein Fußpedal, wenn es wandert.
  15. Probiere aus, mit dem anderen Fuß Gas zu geben, um einseitige Belastung zu vermeiden.
  16. Kombiniere Tageslicht mit einer zusätzlichen Nählampe. Schlechtes Licht macht mehr Fehler als schlechte Technik.
  17. Stehe alle 30 bis 45 Minuten auf und dehne Nacken, Schultern und Hände. Ich nutze das Bügeln als Steh-Pause, du weißt ja: gut gebügelt ist halb genäht.
  18. Führe deinen Stoff mit lockerem Griff. Wer krampft, näht schiefer.
  19. Lege dir bei großen Quilts ein oder zwei Kissen auf den Schoß und sorge links und hinter der Maschine für freie Fläche, damit der Quilt nicht am Stoff zieht. Mehr dazu in meinen Tipps für entspanntes Nähen.
  20. Reinige regelmäßig unter der Stichplatte, gib deiner Maschine ein Tröpfchen Öl und setze eine neue Nadel ein. Der Frühjahrsputz im Nähzimmer ist auch ein Maschinen-Termin.
  21. Räume nach jeder Näh-Session kurz auf, statt einmal im Jahr groß. Wie Ordnung im Nähzimmer ohne Perfektionismus geht, habe ich ausführlich aufgeschrieben.
  22. Stelle deine Lieblingswerkzeuge griffbereit hin, statt sie ordentlich wegzuräumen.
  23. Gestalte dir eine schöne Ecke im Nähzimmer, mit einem Bild oder etwas, das dich freut.
  24. Sei milde mit dir, wenn es drunter und drüber geht. Bei mir sieht es manchmal aus, als ob der Stoffschrank explodiert wäre, und Garnrollen und Lineale verschwinden auf magische Weise.

Stoffe kaufen, lagern und endlich anschneiden: 13 Tipps

  1. Kaufe bewusst ein und setze auf Qualität statt auf viele Schnäppchen.
  2. Halte bei jedem neuen Stoff die Materialzusammensetzung, die Kaufquelle und die Pflegehinweise fest. Ich habe Rechnungen nie so aufbewahrt, dass ich sie dem Stoff zuordnen konnte, und das rächt sich beim Waschen.
  3. Wasche deine Stoffe vor dem Einlagern, nicht erst vor dem Zuschneiden.
  4. Wickle Patchworkstoffe auf Karten und lagere sie stehend wie Bücher.
  5. Schütze deine Stoffe vor Tageslicht, am besten hinter einer Tür.
  6. Bewahre voluminöse Bekleidungsstoffe in transparenten, beschrifteten Boxen auf. Wie ich meinen Stoffvorrat organisiere, habe ich ausführlich aufgeschrieben.
  7. Mache einmal im Jahr eine Bestandsaufnahme. Du kannst nur vernähen, von dem du auch weißt, dass es da ist.
  8. Probiere eine Stoff-Diät aus, wenn dein Vorrat dich erdrückt. Ich habe am 18. Februar 2025 beschlossen, ein Jahr lang keine Bekleidungsstoffe zu kaufen, und dabei gemerkt, dass Beschränkungen mich kreativ machen.
  9. Nutze günstige Stoffe bewusst als Probestoff. Meine Probebluse aus Ikea-Bettwäsche ist zu einem Lieblingsstück geworden.
  10. Frage dich bei dem Stoff, den du nicht anschneidest, ehrlich: Fehlt dir das Projekt oder traust du dir den Stoff nicht zu? Das sind zwei völlig verschiedene Probleme mit zwei verschiedenen Lösungen.
  11. Schneide auch die seltenen Out-of-Print-Stoffe an. Ich habe ganz alte Tula-Pink-Schätzchen für einen Quilt angeschnitten und es kein einziges Mal bereut. Warum dein schönster Stoff im Schrank nur die halbe Freude ist, habe ich hier aufgeschrieben.
  12. Wähle für dein Probeteil einen Stoff mit ähnlichen Eigenschaften wie dein geplanter Hauptstoff, sonst testest du die falsche Passform.
  13. Rechne damit, dass eine Stoff-Diät schwerer ist, als sie klingt. Nach einem halben Jahr fiel sie mir schwerer als gedacht, mein Habenwollen-Impuls ist bei Stoffen sehr ausgeprägt, und ich hatte Stoffe mehrfach im Warenkorb, ohne abzudrücken.

Maschine, Nadel und Nähfuß: 18 Tipps für die Technik-Basis

  1. Nimm dich und deinen Wunsch zu nähen ernst und investiere in die beste Maschine, die du dir leisten kannst.
  2. Kaufe eine Maschine mit Luft nach oben. Du weißt heute noch nicht, was du in fünf Jahren nähen willst.
  3. Packe deine eigenen Stoffe ein, wenn du Maschinen testen gehst, und nähe ein paar Probenähte damit.
  4. Stelle dem Personal alle Fragen, die dir einfallen. Es gibt keine dummen Fragen beim Nähmaschinenkauf.
  5. Erkundige dich vor dem Kauf, wie der Service läuft und ob du eine Einweisung bekommst.
  6. Besuche mehrere Händler mit unterschiedlichen Herstellern im Angebot.
  7. Wechsle deine Nadel regelmäßig, besonders nach einem großen Projekt. Nadeln sind Verbrauchsmaterial.
  8. Nimm eine Stretch- oder Super-Stretch-Nadel für elastische Stoffe und eine Microtex für feine Gewebe.
  9. Nutze eine Geradstichplatte mit kleinem Loch, wenn dir dünne Stoffe in die Maschine gezogen werden.
  10. Lege ein Stoffrestchen unter den Nähfuß und nähe darauf an, bevor du auf dein eigentliches Projekt wechselst. Ich nenne den zotteligen Anfahr-Rest Fiffi.
  11. Halte Ober- und Unterfaden am Nahtanfang mit sanftem Zug fest, besonders beim Nähen in der Runde.
  12. Unterlege feine Stoffe mit Seidenpapier und lass es hinten überstehen.
  13. Setze einen Obertransportfuß ein, wenn Lagen gegeneinander wandern.
  14. Kaufe gutes Markengarn statt Discountergarn. Beim Garn zu sparen kostet dich Nerven, nicht Geld.
  15. Nutze eine mikroverzahnte Handarbeitsschere für Einschnitte an Rundungen und einen Stiletto, um Stoff sicher bis zur Nadel zu führen. Was ich nicht mehr missen will, steht in meinen Top 10 Helfern im Nähzimmer.
  16. Du musst nicht jeden spezialisierten Nähfuß kaufen. Ich arbeite seit 2023 als BERNINA-Expertin und greife trotzdem immer wieder zu denselben Nähfüßen.
  17. Nutze den Schmalkantfuß für gleichmäßige Säume und Kantenabsteppungen, besonders bei Taschen.
  18. Nimm den Patchworkfuß, wenn du die Viertel-Inch-Naht zuverlässig treffen willst.

Nähen ohne Frust: 26 Tipps für Nähte, Säume, Kanten und Pannen

  1. Markiere auf jedem Schnittteil mit Kreide die linke Stoffseite. Ich habe mir eine ganze Wanderhose mit der falschen Seite nach außen genäht und mich wochenlang über Fusseln gewundert.
  2. Markiere mit Textmarker auf jedem Schnitteil, ob Nahtzugabe enthalten ist und wie viel.
  3. Klebe Washi-Tape auf den Nähtisch, wenn du eine bestimmte Nahtzugabe gleichmäßig halten willst.
  4. Nähe vor jedem neuen Stoff eine Probenaht auf zwei Lagen desselben Materials.
  5. Verringere bei feinen Stoffen die Oberfadenspannung deutlich und verkürze die Stichlänge leicht.
  6. Stecke Stecknadeln quer zur Naht, damit du knapp an der Spitze vorbeinähen kannst.
  7. Setze Stecknadeln bei feinen Stoffen nur innerhalb der Nahtzugabe.
  8. Nimm Stoffklammern bei Leder, Kunstleder und Vinyl und an der Overlock, wo Nadeln auf die Messer treffen.
  9. Kombiniere beides: Stecknadeln an schwierigen Stellen, Stoffklammern auf langen Strecken.
  10. Hefte Nähte an sichtbaren Stellen, bevor du nähst. Heften ist keine verlorene Zeit, sondern gesparte Auftrennzeit.
  11. Bügle zwischendurch. Gut gebügelt ist halb genäht.
  12. Nähe feine Säume ohne Spezialfuß: umbügeln, absteppen, zurückschneiden, noch einmal umschlagen. Für den Babysaum brauchst du keinen Rollsaumfuß, und ich besitze welche, die ich kaum benutze.
  13. Nähe eine französische Naht, wenn du ohne Overlock sauber von innen arbeiten willst, und erweitere dafür die Nahtzugabe auf etwa 1,5 cm.
  14. Nutze die Hong-Kong-Naht für ungefütterte Jacken und edle Hosen und schneide dir das Schrägband dafür selbst im 45-Grad-Winkel zu.
  15. Ziehe beim Annähen von Schrägband nicht am Band, auch nicht in Rundungen.
  16. Nähe die Briefecke mit einer Nadel als Markierung im Kreuzungspunkt, dann wird sie sauber.
  17. Bügle bei einem Reißverschluss Nahtband oder Vlieseline auf die linke Stoffseite, damit die Reißverschlussnaht nicht wellig wird.
  18. Übe das Reißverschlussnähen an einem Täschchen, zum Beispiel an der Regenbogentasche.
  19. Veröde die Enden von Endlosreißverschlüssen und Gurtband (aus Kunstfaser) mit einem Stabfeuerzeug.
  20. Ziehe beim Annähen von Gummi nur am Gummi, nie am Stoff.
  21. Berechne die Länge von Wäschegummi, indem du 5 bis 10 Prozent vom Bundumfang abziehst, und probiere sie am Körper aus, bevor du zuschneidest. Wie ich breites Veloursgummi an den Unterhosenbund nähe, steht Schritt für Schritt hier.
  22. Kaschiere einen versehentlichen Schnitt mit einem schönen Etikett oder einer Applikation, statt das Teil wegzuwerfen. Wie du die häufigsten Nähpannen vermeidest oder umdeutest, steht hier ausführlich.
  23. Bügle die Nahtzugabe auseinander, bevor du sie zurückschneidest. Bei der französischen Naht war das für mich ein Gamechanger, denn 3 mm sind wesentlich schwieriger auszubügeln als 7 mm.
  24. Überlege schon vor dem Zuschneiden, wie du die Naht verarbeiten willst. Danach richtet sich, wie viel Nahtzugabe du überhaupt brauchst.
  25. Plane bei Kleidung eine kleine Reserve ein, für Mitwachsen und fürs Probetragen.
  26. Nähe Probe-Knopflöcher (mit der gleichen Stoffstärke und ggf. Einlage wie beim Kleidungsstück), bevor du sie am Kleidungsstück nähst.

Kleidung nähen: 20 Tipps

  1. Nähe ein Probeteil aus günstigem Stoff oder Bettwäsche, bevor du den guten Stoff anschneidest und übertrage deine Änderungen (Länge, Weite, Abnäher, …) auf die Schnitteile.
  2. Nähe bei großen Projekten nur die passformkritischen Teile aus Nessel, nicht das ganze Kleidungsstück.
  3. Nähe ruhig auch mal Kleidung aus Patchworkstoff, plane dafür aber mehr Stoff ein, weil er nur 110 cm breit ist. Ob Patchworkstoffe für Kleidung wirklich funktionieren, habe ich ausprobiert und finde es klasse.
  4. Kopiere ein gekauftes Lieblingsteil als Schnittmuster ab.
  5. Drucke Schnittmuster immer in 100 Prozent ohne Skalierung und miss das Kontrollkästchen nach.
  6. Prüfe vor dem Zuschneiden, ob im Schnitt Nahtzugabe enthalten ist und ob in Inch oder Zentimetern gemessen wird.
  7. Ziehe am Stoff, wenn du die Dehnungsrichtung suchen musst. Das kann quer oder längs sein.
  8. Kaufe dir für Patchwork ein Lineal in Zoll und arbeite direkt damit, statt umzurechnen. Das spart dir Nerven und jede Menge Rundungsfehler.
  9. Hab keine Angst vor englischen Nähanleitungen! Die wichtigsten englischen Nähbegriffe hast du schneller drauf, als du denkst.
  10. Schneide schwierige (flutschige) oder gestreifte Stoffe einlagig zu, nicht im Bruch.
  11. Nähe Badeanzüge und Bikinis aus chlorresistentem Badelycra mit weichem Futter und chlorresistentem Badegummi. Ich nähe seit 2019 auch meine Bademode selbst.
  12. Nutze Bauschgarn im Greifer der Overlock, damit Nähte auf der Haut weich bleiben.
  13. Widme ein Sportbustier-Schnittmuster zum Bikinioberteil um, statt auf den perfekten Schnitt zu warten.
  14. Nähe deine Sportkleidung aus Funktionsstoffen und ergänze Standardschnitte um Taschen oder Reißverschlüsse.
  15. Packe für den Urlaub zwei neutrale Hosen in Schwarz und Weiß ein, die zu allem passen, und wähle knitterarme Stoffe. Was ich für meine selbstgenähte Urlaubsgarderobe gelernt habe: nicht zwei Wochen vorher anfangen.
  16. Covere deine Nähte von der Rückseite mit farbigem Garn, wenn dir ein Teil zu langweilig ist und du eine Coverstitch Maschine hast. So kannst du sportliche Nähprojekte aufpeppen.
  17. Nimm einen gut sitzenden Unterhosenschnitt als Basis für deine Bikinihose.
  18. Wähle einen Racerback-Rücken, wenn du im Bikini wirklich schwimmen und nicht nur liegen willst. Genau deshalb habe ich meinen BRAugust-Bikini so gebaut.
  19. Ändere die Reihenfolge im Schnittmuster ab, wenn deine eigene besser funktioniert. Bei meinen Sommerkleidern hat das gut geklappt.
  20. Kaufe lieber zwei Meter, wenn der Schnitt 1,7 Meter angibt. Bei der Origami Bluse hatte ich am Ende nicht viel übrig.

Patchwork und Quilten: 30 Tipps

  1. Wähle für deinen ersten Quilt ein einfaches Muster mit wenigen, sich wiederholenden Elementen.
  2. Konzentriere dich bei der Stoffauswahl auf eine Farbfamilie oder einen Farbverlauf.
  3. Nimm einen hellen, neutralen oder sehr dunklen Hintergrundstoff.
  4. Rechne beim Hintergrundstoff großzügiger als das Schnittmuster angibt. Beim Scrappy Mountain Quilt habe ich mich exakt an die Anleitung gehalten und musste am Ende trotzdem nachbestellen.
  5. Rechne den Zuschnittplan einmal selbst nach, bevor du schneidest.
  6. Wasche Patchworkstoffe vor, sortiert nach Farbfamilien.
  7. Miss deine Zuschnitte zweimal, bevor du schneidest.
  8. Nähe eine Nähprobe aus zwei 2,5-Inch-Quadraten und miss das Ergebnis nach, bevor du die Naht für richtig hältst.
  9. Orientiere dich für die Viertel-Inch-Naht entweder an einer Linie auf dem Nähtisch oder an deinem Nähfuß, aber bleib bei einem System.
  10. Beschrifte deine Zuschnitte. Ganz unspektakulär, aber es rettet dich.
  11. Nimm dir Zeit für dein Patchworkprojekt, statt es nur abzuarbeiten. Warum Patchwork für mich die beste Meditation ist, hat genau damit zu tun.
  12. Bügle Nahtzugaben in den Reihen abwechselnd nach rechts und links, dann passen die Kreuzungen von selbst.
  13. Stecke Nahtkreuzungen mit Gabelstecknadeln, statt zu hoffen.
  14. Lege deine fertigen Blöcke aus, bevor du sie zu Reihen zusammennähst, am besten an einer Designwand.
  15. Stelle beim Foundation Paper Piecing die Stichlänge auf etwa 1,2 und nimm eine Universalnadel in 80 oder eine Microtex in 70.
  16. Drucke FPP-Vorlagen auf dünnes Papier von etwa 50 Gramm, dann reißt es leichter heraus.
  17. Halte dir einen separaten Rollschneider fürs Papier. Meiner ist ein alter No-Name, in dem die abgenutzten Klingen vom Stoff-Rollschneider landen.
  18. Fange mit FPP klein an: ein Kissen statt eines ganzen Quilts.
  19. Nähe String Quilt Blöcke aus Stoffresten auf Papier, wenn du deinen Restevorrat leeren willst. Ich war überrascht, wie wenig Stoff ich pro Farbgruppe gebraucht habe.
  20. Drucke ein Foto deines Quilttops aus, stecke es in eine Prospekthülle und zeichne deine Quiltlinien mit abwischbarem Folienstift darauf, bevor du nähst.
  21. Prüfe auf der Vliesverpackung den Mindestabstand zwischen den Quiltlinien, bevor du dein Muster festlegst.
  22. Nimm für die ersten Quilts ein neutrales Grau in mittlerer Helligkeit als Garn und verwende oben und unten dieselbe Marke und Farbe.
  23. Schneide Rückseite und Vlies größer zu als das Top, bügle die Falten aus dem Vlies und fixiere die Rückseite mit Malerkrepp auf dem Boden. Alle Schritte für deinen ersten Quilt stehen ausführlich hier.
  24. Nähe einmal knappkantig um das ganze Quilttop herum, bevor du das Binding annähst.
  25. Nähe das Binding auf der Rückseite von Hand an, wenn du ein besonders schönes Finish willst. Ich finde diesen Teil meditativ, und die Entstehung eines Quilts endet bei mir fast immer so.
  26. Schlage unbekannte Patchwork-Begriffe im Patchwork ABC nach, statt dich davon abhalten zu lassen. Ich hatte das Konzept von Background Fabric und Main Fabric zu Beginn meiner Patchwork-Karriere schlicht nicht verstanden.
  27. Lass große FPP-Vorlagen bei einem Plotservice drucken, statt sie zu Hause zusammenzukleben. Das spart bei großen Blöcken Zeit und Nerven.
  28. Fahre bei FPP die Nählinien vorher mit einem Kopierrädchen ab, dann perforiert das Papier und reißt später leichter heraus.
  29. Fixiere das erste Stoffteil bei FPP mit einem wasserlöslichen Klebestift auf der Vorlage.
  30. Fange beim Quilten mit Freihand an, bevor du dich an Ruler wagst. Ich finde Rulerquilten nämlich nicht leichter als Freihandquilten, da du ein zusätzliches Element (den Ruler) handhaben musst.

Zum Schluss

Wenn du von dieser ganzen Liste nur einen Satz mitnimmst, dann diesen: Fertig ist das neue Perfekt. Alles andere hier sind Abkürzungen zu diesem einen Punkt.

Welcher Tipp war für dich neu? Und welchen hast du hier vermisst? Schreibe es mir in die Kommentare, ich bin gespannt.

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